"Viva la Diva": Zeichen für Toleranz – mit fadem Beigeschmack am Ende

In der RTL-Show „Viva la Diva“ werden sechs prominente TV-Persönlichkeiten zu Dragqueens, während zwei Rate-Teams herausfinden müssen, wer unter den Kostümen steckt. Eigentlich eine unterhaltsame Show mit einer schönen Botschaft für mehr Toleranz – aber leider auch mit einem Beigeschmack.

Eine KritikvonChristian Vock

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Man könnte fast meinen, dass man bei RTL immer noch nicht verkraftet hat, dass ProSieben dem Sender seinerzeit „The Masked Singer“ vor der Nase weggeschnappt hat. Kein Wunder, so ein Mega-Erfolgsformat wie „The Masked Singer“ hätte jeder gerne im Programm. RTL hat es dann mit „Big Performance“ mit einer Kopie versucht, doch so recht erfolgreich war das Ganze nicht. Wahrscheinlich, weil es auch nicht so recht gut war.

Nun kann man „Viva la Diva“ mit einigen guten Argumenten als neuen Versuch werten, das Erfolgsrezept von „The Masked Singer“ zu kopieren: Auch hier treten Promis auf, auch hier sind sie aufwändig verkleidet, auch hier müssen sie in diesen Kostümen einen bis mehrere Auftritte hinlegen und auch hier gibt es eine Jury, die mit zusätzlich versteckten Hinweisen erraten soll, wer denn unter dem ganzen Make-Up steckt.

Klingt also alles nach einer weitern „Masked Singer“-Kopie, gäbe es da nicht ein entscheidendes Detail. Denn „Viva la Diva“ läutet bei RTL „Die Woche der Vielfalt“ ein, in der der Sender ein Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit setzen möchte. Die Show basiert auf dem niederländischen Format „Make up your mind“ und anders als bei „The Masked Singer“ tragen die Promis hier keine Fantasiemasken, sondern kommen als Dragqueens auf die Bühne.

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„Viva la Diva“ feiert das Leben und Tim Mälzer moderiert

Es geht also neben der Unterhaltung auch um eine Leuchtrakete in den Himmel der Engstirnigkeit – in der Praxis sind die Ähnlichkeiten zu „The Masked Singer“ aber nicht von der Hand zu weisen. Ein paar Details sind aber dann doch anders: Sechs Promi-Männer verwandeln sich in Dragqueens und müssen vor zwei ebenfalls prominenten Rate-Teams verschiedene Auftritte hinlegen. Eine Jury aus professionellen Dragqueens entscheidet dann, wer eine Runde weiterkommt und wer seine Identität preisgeben muss.

Man darf also als Zuschauer gespannt sein, wer denn da hinter den Künstlernamen wie Titania Diamond, Minnie De la Cruise oder Kandy Rock steckt. Man darf aber mindestens ebenso gespannt sein, wie sich der Moderator des Abends so schlägt. Denn hier setzt RTL nicht auf eine gelernte Fachkraft, sondern auf Fernsehkoch Tim Mälzer und die Richtigkeit dieser Entscheidung kann man zumindest anzweifeln.

„Ladies and Gentlemen! Sechs Männer, die sie bestimmt schon sehr oft gesehen haben, verwandeln sich heute Abend für Sie in Diven, die Sie so noch nicht gesehen haben. Feiern wir die Vielfalt, feiern wir das Bunte, feiern wir das Leben! Hier ist ‚Viva la Diva – Wer ist die Queen?'“, begrüßt Mälzer die Zuschauer.

Daran ist erst einmal nichts auszusetzen, aber wenn Mälzer das mit Merkel-Raute-Händen und im monotonen Sprech-Rhythmus einer Bahnsteigdurchsage macht, dann verliert der Aufruf, das Leben zu feiern, doch sehr von seiner Wirkung.

Diese Promis stecken unter dem Make-Up

Auch danach gibt man Mälzer seitens der Produktion keine wirkliche Hilfestellung, als man ihn für die Moderation in die Mitte seiner Gäste hinters Rate-Pult setzt. Es nimmt doch viel Dynamik weg, wenn man das Leben im Sitzen feiert.

Und so kann man es Mälzer vielleicht auch gar nicht übel nehmen, wenn er an diesem Abend nicht so recht in seine neue Rolle findet und seine schnoddrige Art etwas gehemmt wirkt. Dass Mälzer gerade das Leben feiert, muss man als Zuschauer von seiner Leopardenprint-Weste und den lackierten Fingernägeln ablesen.

Dafür aber hat man bei den beiden Rate-Teams in puncto Extravaganz und gute Laune ordentlich zugelangt: Olivia Jones und Jana Ina Zarrella spielen gegen Tahnee und Jorge González. Die wissen, wie man Stimmung macht und bereiten mit ihren Aaahs und Ooohs die Grundlage für die Auftritte der Neu-Dragqueens, wobei wir dann auch endlich beim Eigentlichen wären: den Promi-Drags.

Die tragen schrilles Make-Up und Perücken und Namen wie LilSista, Supa Nova oder Madame LeStrange. Exaltierter als ihr Aussehen sind da nur noch die Auftritte, zumindest einige. Doch wirklich spannend wird es erst, wenn die Auflösung kommt, wer da eben so kokett auf High Heels am Lolli geleckt oder seinen nackten Hintern in die Kamera gestreckt hat.

Denn nach und nach wird enthüllt, wer unter dem Make-Up steckt und da gibt es dann doch die eine oder andere Überraschung: David Odonkor ist LilSista, Ingo Nommsen ist Kandy Rock, Steffen Hallaschka ist Supa Nova, Bernhard Brink ist Titania Diamond, Mickie Krause ist Minnie De la Cruise und zum Gewinner des Abends wird Comedian Faisal Kawusi als Madame LeStrange gewählt.

Als der Siegerpokal dann von einer gewissen Olympia ins Studio gebracht wird, geht noch ein kurzes Kichern durch die Rate-Teams, denn die erkennen hier einen Kollegen: Mario Barth hat sich für die Pokalübergabe ebenfalls in Dragqueen-Schale geworfen.

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RTL-Statement trübt die gute Stimmung

Aufwändiges Make-Up, unterhaltsame Auftritt und überraschende Enthüllungen – es hätte ein netter Abend sein können. War es eigentlich auch, doch an manchen Stellen blieb die Show dann doch ein bisschen unter ihren Möglichkeiten, zum Beispiel bei der Auflösung, wer hinter den Kostümen steckt.

Denn natürlich nervt es bei „The Masked Singer“, dass die Demaskierung so übertrieben lange dauert, aber bei „Viv la Diva“ dauert sie untertrieben lange oder übertrieben kurz, je nachdem. Das liegt natürlich daran, dass man hier nicht einfach einen Zebra- oder Gorilla-Kopf abnehmen kann, aber man hätte sicher etwas Spannenderes gefunden, als den enttarnten Promi einfach ganz schnell auf der Leinwand zu zeigen.

Doch das ist zu verzeihen, denn auch wenn mehr möglich gewesen wäre, war es doch ein unterhaltsamer Abend. Viel wichtiger war nämlich die Botschaft der Show, niemanden wegen seines Aussehens, Geschlechts, Gewichts, seiner Vorlieben oder womit auch immer man sich von einer ausgedachten Norm unterscheiden könnte, zu diskriminieren.

Und so bleibt als einziger Wermutstropfen, dass sich RTL nach dem Sieg von Faisal Kawusi zu einem Statement bei Twitter gezwungen sah. Der Comedian hatte im Frühjahr wegen eines K.O-Tropfen-Kommentars für Empörung gesorgt und anschließend entschuldigt.

RTL stellte nun am Montagabend bei Twitter klar, dass sich der Sender von den Aussagen des Comedians distanziert und er diese vor der Aufzeichnung der Show getroffen habe. Egal, wie man inzwischen über den Fall denkt, sorgt so ein Statement doch für einen schalen Beigeschmack bei einer eigentlich wichtigen Botschaft.

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