"The Sons of Sam" und andere: Diese True-Crime-Dokus blicken in die Psyche von Mördern

  • Am 5. Mai startet die neue True-Crime-Doku “The Sons of Sam: Ein Abstieg in die Dunkelheit” auf Netflix. Sie beleuchtet die Morde von David Berkowitz.
  • Das Faszinosum Serienkiller stand in den letzten Jahren mehrfach im Zentrum von Dokumentationen.
  • Welche sehenswerten True-Crime-Dokus Netflix, Amazon Prime Video und Co. im Programm haben, zeigt die Übersicht.

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Was geht nur in solchen Menschen vor? Von Jack the Ripper bis Charles Manson üben Serienmörder teils lange nach ihrem eigenen Ableben noch eine Mischung aus Abscheu und Faszination aus. Die Frage, wie aus Menschen Mörder werden, ja gar die Frage, wie sich das pure Böse entwickelt, verliert offenbar nie an Reiz und Aktualität.

Unter anderem aus diesem Grund entwickelte sich in den vergangenen Jahren ein regelrechter True-Crime-Hype, der sich in themenspezifischen Podcasts und sogar Print-Magazinen niederschlug. Allen voran waren es jedoch True-Crime-Dokus der Streamingdienste, die das aufblühende Genre prägten.

Nun gibt es Nachschub in Sachen True Crime: Am Mittwoch, 5. Mai, startet auf Netflix die Dokuserie “The Sons of Sam: Ein Abstieg in die Dunkelheit” über den Serienkiller David Berkowitz – und befindet sich in mörderisch guter Gesellschaft. Wir stellen das neue Netflix-Original vor und verraten, welche True-Crime-Perlen sich noch im Programm von Streamingdiensten und Mediatheken verstecken.

“The Sons of Sam: Ein Abstieg in die Dunkelheit” (Netflix)

Bis zu seiner Verhaftung im Jahr 1977 verbreitete David Berkowitz in den USA Angst und Schrecken. In sechs Morden sowie diversen weiteren Gräueltaten hatte der US-Amerikaner seine Aktien – aber handelte er wirklich allein? Möglicherweise war der selbsternannte “Son of Sam” kein Einzeltäter, sondern Teil eines größeren Netzwerks. “The Sons of Sam: Ein Abstieg in die Dunkelheit” setzt sich aus der Perspektive des Autors Maury Terry mit dieser Möglichkeit auseinander.

Seit etlichen Jahren betreibt Terry umfassende Recherchen zu dem Fall, mehr noch: Er geriet für ihn zu einer Obsession. Seiner Überzeugung nach steckt hinter den abscheulichen Taten eine satanische Verschwörung, deren Dimensionen schockierende Ausmaße annehmen.

Berkowitz’ Taten lieferten die Vorlagen zu Dutzenden Thrillern und Horrorfilmen, nun zerrt Netflix sie aus dem Fiktiven wieder ans Licht der Realität. In der vierteiligen Serie von Filmemacher Joshua Zeman sprechen Ermittler und einstige Zeugen über ihre Eindrücke. Zudem setzt sich die Produktion mit der Berichterstattung auseinander: Die Rekapitulation alter Medienberichte soll ebenfalls dabei helfen, die Versatzstücke des Falls zur Wahrheit zusammenzufügen. Diese Wahrheit könnte auch bedeuten: Der wahre Mörder ist immer noch auf freiem Fuß.

“Ted Bundy: Selbstporträt eines Serienmörders” (Netflix)

Das Böse sieht erschreckend gut aus: Mehr als 100 Frauen soll Theodore Robert Bundy, kurz Ted genannt, angeblich auf dem Gewissen gehabt haben, als er auf einem elektrischen Stuhl in Florida den Tod fand. Nachgewiesen sind 30 grausame Vergewaltigungen und Morde in den Jahren 1974 bis 1978. Diese Story scheint wie gemacht für eine True-Crime-Doku auf Netflix: Denn genauso irre wie Ted Bundy war, genauso attraktiv und charmant war er auch. Außerdem genoss er das Blitzlichtgewitter, selbst in der Todeszelle gab er noch freimütig Interviews.

“Ted Bundy: Selbstporträt eines Serienmörders” schlug hohe Wellen und beruht auf echten Tonbandaufnahmen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Darin erläutert der Serienkiller seine perfide Vorgehensweise und grotesken Vorlieben.

Trotz seiner schrecklichen Verbrechen führten das Erscheinungsbild und der Charme Bundys nach Erscheinung der Doku teils zur Glorifizierung als “Bad Boy”. Die Begeisterung für das Aussehen des Serienkillers wurde aber selbst Netflix zu bunt. Über Twitter teilte der Streamingdienst mit, dass sich im Angebot Tausende andere attraktive Männer finden – praktisch keiner von ihnen sei ein verurteilter Serienmörder.

“Pistorius” (Amazon Prime)

Oscar Pistorius, bekannt als “Blade Runner”, war nicht weniger als ein südafrikanischer Nationalheld: Bei den Paralympics holte der Sprinter mit den Unterschenkelprothesen insgesamt sechsmal Gold. Doch im Februar 2013 landete das Sportass nicht aufgrund überragender sportlicher Leistungen auf den Titelblättern, sondern wegen einer Tragödie: Ausgerechnet am Valentinstag erschoss er seine Lebensgefährtin, das südafrikanische Model Reeva Steenkamp, im Badezimmer ihrer gemeinsamen Wohnung.

Pistorius beteuerte daraufhin seine Unschuld, er habe seine Freundin versehentlich erschossen, hielt sie für einen Einbrecher. Doch die Justiz war anderer Meinung und verurteilte den Leichtathleten in einem mehrfach aufgerollten Prozess wegen Mordes mit verminderter Todesabsicht zu 15 Jahren Haft.

Der walisische Filmemacher Vaughan Sivell beleuchtet in “Pistorius” den Fall, der zum medialen Ereignis hochgekocht war. In der ersten Folge der vierteiligen Amazon-Doku wird Oscar Pistorius noch für seine sportlichen Verdienste gewürdigt – dann wechselt die Szenerie in den Gerichtssaal. Angehörige von Opfer und Täter kommen ebenso zu Wort wie Kriminalforscher und Vertreterinnen einer protestierenden Frauenbewegung, welche die zunächst vorherrschende Nachsicht des Gerichts gegenüber Pistorius nicht akzeptieren wollte.

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“Making A Murderer” (Netflix)

Ein Qualitätsmerkmal von Dokumentationen ist die Resonanz, die sie auslösen. Nimmt man dies als Gradmesser, macht der mehrfach Emmy-prämierten True-Crime-Doku “Making A Murderer” so schnell niemand etwas vor. Genau genommen geht es hier nicht um Mörder, sondern um mutmaßliche Killer. Die Netflix-Produktion streute Zweifel an der Schuld zweier Männer, die bereits als Mörder und Vergewaltiger verurteilt waren.

Im November 2005 sollen Steven Avery und sein Neffe Brendan Dassey die junge Frau Teresa Halbach missbraucht und getötet haben. Doch im Laufe der 2015 veröffentlichten ersten Staffel wird stückweise ein Bild gezeichnet, welches das gesprochene Urteil infrage stellt. Avery selbst beteuerte ohnehin von Beginn an seine Unschuld.

Fehlerhafte Prozesse, fragwürdige Beweisführung und obendrein Beamte, die mit Strafmilderung zu einem Geständnis drängen: Insgesamt erzählen die Macherinnen Laura Ricciardi und Moira Demos die Geschichte um den Fall über 13 Jahre hinweg. 2018 legte Netflix mit einer zweiten Staffel nach. Nicht nur in den USA, weltweit wurden sich die Köpfe heißdiskutiert über die alles entscheidende Frage: Schuldig oder unschuldig?

“Dunkle Seelen: Gespräche mit einem Serienkiller” (ZDFmediathek)

Nicht nur auf den Streamingdiensten blüht das True-Crime-Genre auf, auch die Öffentlich-Rechtlichen haben außergewöhnliche Verbrechen längst auf dem Zettel. So findet sich in der ZDFmediathek die Doku-Reihe “Dunkle Seelen” und der Name der ersten Folge ist Programm: “Gespräche mit einem Serienkiller”.

Der CNN-Journalist Chris Cuomo versucht im Interview die Persönlichkeit von Joel Rifkin zu ergründen, der zwischen 1989 und 1993 17 Frauen im US-Bundesstaat New York ermordet haben soll.

Rifkin erlangte als einer der gefürchtetsten Serienmörder in der Geschichte der USA traurige Berühmtheit. Fragwürdige Ehre: In Anlehnung an den Frauenmörder Jack the Ripper bezeichnete ihn die US-Presse einst als “Joel the Ripper”.

Um die Psyche der Schwerverbrecher zu erfassen, ist selbstredend mehr nötig, als einen mehrfachen Mörder alleine sprechen zu lassen. Deshalb kommen in “Dunkle Seelen” auch Angehörige sowie Profiler und Verhaltensforscher zu Wort. So soll sich am Ende das Puzzle zusammenfügen und sich die Entstehung von Rifkins furchtbaren Verbrechen erklären.

“Born To Kill: Als Mörder geboren?” (TVNOW)

Auch RTLs hauseigener Streamingdienst TVNOW setzt nach eigener Aussage auf eine “True-Crime-Offensive”. Zu den angebotenen Titeln zählt mit “Born To Kill – Als Mörder geboren?” eine Dokureihe, die in jeder Folge einen neuen Fall aufrollt. Unter anderem nimmt die Serie den Zuschauer mit auf eine Reise in den kalifornischen Yosemite Nationalpark, der in erster Linie für seine atemberaubende Landschaft sowie eine Fülle an Pflanzen und Tierarten bekannt ist.

1999 wurde die Idylle jedoch zum Schauplatz eines Verbrechens: In unmittelbarer Nähe des Parks wurden vier Leichen gefunden. Der Täter Cary Stayner stammte aus einer Gemeinde, die Jahrzehnte zuvor bereits mit einem schrecklichen Verbrechen konfrontiert wurde.

Seit 1. Mai steht die vierte Staffel “Born To Kill” auf TVNOW zum Abruf bereit. Die erste Folge ist nichts für schwache Nerven. Vor allem Eltern kleiner Kinder wird die Geschichte aus dem englischen Grantham wie ein Albtraum vorkommen: 1991 verzeichnete die Kinderstation des örtlichen Krankenhauses einen dramatischen Anstieg der Sterberate. An allen Tagen, an denen unter mysteriösen Umständen Kinder ums Leben kamen, verrichtete dieselbe Krankenschwester ihren Dienst: Beverley Allitt.  © 1&1 Mail & Media/teleschau

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