"Prof. Dr. Drosten? Kenne ich nicht!"

Was als “TV-Event des Jahres” angekündigt wird, entpuppt sich als lauer Aufguss der Battle-Spiele zwischen Oliver Pocher und seinem Erzfeind Michael Wendler. Doch die Show zeigt vor allem eines: das haushohe Unwissen von Leuten, denen insgesamt 40 Millionen Menschen folgen.

Seit gefühlten Ewigkeiten verhohnepiepelt Comedian Oliver Pocher sehr erfolgreich Influencer in seiner sogenannten “Bildschirmkontrolle”. Man kennt die Reaktionen inzwischen zur Genüge: Manche sind erbost, manche nehmen es mit Humor, wieder andere sprechen sogar von Mobbing. Fünf Influencer haben nun gesagt: Wir bieten Pocher die Stirn und stellen uns einem TV-Duell mit dem selbsternannten Kritiker.

Herausgekommen ist eine maue Spiele-Show, die nichts offenbarte, was man nicht längst ahnte – nämlich: das erschreckende Unwissen der Instagram- und TikTok-Größen, die auf den Plattformen insgesamt “40 Millionen Follower” haben.

Sam Dylan mag gern “Teramicu”

So haben die “Helden” beispielsweise auch kein Problem damit, laut rauszuposaunen, nach mehr als einem Jahr Corona nicht zu wissen, wer denn nur dieser ominöse Prof. Dr. Drosten ist? Dafür aber kennen sie das “meist gelikete Bild bei Instagram.” Bescheidenheit wird in der Show großgeschrieben. So wird dieselbige schlicht, fast beiläufig von Wontorra als “TV-Event des Jahres” betitelt. 

Sam Dylan: Der Influencer war in diesem Jahr bereits in der “Dschungelshow” dabei.(Quelle: TVNOW / Stefan Gregorowius)

Gemeinsam spielt man ein paar Spiele. Mal führen die Pochers, mal die Influencer und zwischendurch plaudert man ohne jegliches Unrechtsbewusstsein über Pool-Partys in Dubai. Dazu flache Gags, mäßige Stimmung und gelangweilte Gesichter. Tatsächlich wirkt Team Influencer gegen Team Pocher blass, fast teilnahmslos. Stimmung in die Bude bringt das Spiel: “Klorollen-Hochsprung”. Pocher und die Influencerin Payton stecken in lustigen Tierkostümen und müssen über eine immer höhere Wand aus Toilettenpapier-Rollen springen. Team Pocher kann die Challenge für sich verbuchen.

Obschon er einer derjenigen ist, der im Vergleich mit “215.000 Followern bei Instagram” eine eher kleine Reichweite hat, bringt zumindest Sam Dylan einen gewissen persönlichen Farbklecks in die Runde. Gegen Pocher sammelt er Punkte beim sogenannten “Food-Spiel”, bei dem Getränke und Gerichte anhand ihrer rohen Zutaten erraten werden sollen. Nur die Namen mit Kreide auf eine Tafel schreiben darf der “Dschungelshow”-Kandidat nicht. Da steht dann auch schon mal “Teramicu” statt Tiramisu oder “Bludy Mari”. Dylans Motto scheint sein Markenzeichen zu sein: “Gebildetheit ist das A und U”.

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“Wir Influencer sind Loser”

So witzelt sich der Abend mäßig dahin. Pocher macht nebenbei Werbung für seinen Podcast und so manche Influencerin offeriert stolz, eigens für diesen Abend bei Instagram eine “Rabattpause” eingelegt zu haben. Das Spektakel ist im Grunde clever von Pocher eingefädelt, denn der Mann verwurstet kurzerhand das Battle, das er einst gegen Wendler führte, noch einmal. Am Ende der Show hängt er, wie einst gegen seinen Erzfeind, in der Luft über einem Bottich mit kaltem Wasser. Man gibt einander Schätzungen ab: Wie hoch ist der Anteil der Frauen bei Dating-Apps? Wer hat mehr Follower auf YouTube? Person X oder Person Y?

Es ist zeitig abzusehen gewesen, dass das “Kampfschwein” Pocher auch dieses Spiel gewinnt. Die Verlierer müssen sich geschlagen geben und ihre Niederlage in einer Dankesrede verkünden, die wiederum auf ihren Social-Media-Kanälen ausgestrahlt werden muss. Und weil die Rede natürlich kein Geringerer als der Bildschirmkontrolleur selbst geschrieben hat, fallen dann auch so Sätze wie: “Jetzt ist es amtlich: Wir Influencer sind Loser”. Die nehmen es, so scheint es zumindest, mit Humor. Letztlich hat der Aufguss des Wendler-Battles vor allem einem genützt: der Marke Oliver Pocher.

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