Prince Charming will ‘nen Cowboy als Mann

In Folge drei fallen bei “Prince Charming” die ersten Küsse. Mit Liebe hat das wohl nichts zu tun.

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“Ich will ‘nen Cowboy als Mann” sang Gitte Haenning bereits 1963, und wenn man sich Folge drei von “Prince Charming” ansieht, ist der Songtitel noch heute aktuell. Kandidat Jan sitzt beim ersten Gruppendate im klassischen Outfit auf einem mechanischen Bullen – Hut, Hemd, Hose. Okay, die Oberbekleidung ist aufgeknöpft bis zum Gürtel, die Hotpants bedecken mühsam gerade so die Pobacken, aber das ist hier schließlich nicht eine Kuhweide in der unendlichen amerikanischen Weite, sondern eine schwule Datingshow, die es von RTLs Streaming-Service ins Fernsehprogramm geschafft hat. Weshalb es nicht lange dauert, bis sich alles um Sex dreht: etwa fünf Minuten nach Beginn von “Prince Charming“.

Lieber einen feuchten Kerl im Bottich als Probleme auf dem Dach

“Meine Eier!”, beschwert sich Jan auf dem Bullen. Dann der Kommentar über den Reitstil von Prince Charming Alex: “Der hat auch schon seine Erfahrungen gemacht.” Weiter im Programm: Es geht um Sex oder Kuscheln (die Antwort: Kuscheln), früher aufstehen, “die Morgenlatte ausnutzen” – worüber man eben so spricht bei einem lockeren Zusammensein, um dann direkt im Anschluss den Tod von Florians Mutter abzuhandeln. Gemeinsames betretenes Schauen, ein paar Tränchen verdrücken, und bevor es wirklich noch emotional wird, drapiert sich Andrea schnell auf einem Heuballen, um sich mit einem Bottich voller Wasser übergießen zu lassen. Ein ganz normales Date eben für “Prince Charming”.

Nur, wie wählt Prince Charming aus diesem Angebot den Mann aus, mit dem er den Rest des Tages verbringen will? Florian, der sich emotional geöffnet hat, oder Andrea, der immerhin Einblicke unter sein Hemd gewährte? Die Entscheidung fällt leicht: natürlich Andrea. Lieber einen feuchten Kerl im Bottich als allzu viele Probleme auf dem Dach. Prince Charming: “Ich hab ‘nen Pool in meiner Villa.” Andrea: “Ich hab ‘ne Badehose.” We have a match! Zwei Minuten später sitzen die beiden wild knutschend auf der Liege. Andrea ist begeistert: “Ich hab den ersten Kuss!” Wildes Robbenklatschen. Das muss wahre Liebe sein.

Wer lästert, fliegt

Derart hormonell geladen, schmeißt Prince Charming eine Drag-Party. Das heißt vor allem: “slutty” tanzen, mit Federn auf dem Kopf. Alex gefällt es, er konstatiert, die Männer seien “hot af”. Was immer das auch heißen soll. Heiß, aber “außer Funktion”? “Alle Füße” gehen hoch? Egal, bei der Party klärt sich eine viel wichtigere Frage: Was wurde eigentlich aus der weißen Batida-Schlacke, die traditionell beim “Bachelor” für grenzdebile Dialoge sorgte? Die trinken nun Prince Charming und seine Männer, was ihnen im Lauf des Abends deutlich anzusehen ist.

Auftritt des selbsternannten It-Boys Benedetto, der offensichtlich zu viele “Germany’s Next Topmodel”-Staffeln gesehen, aber nichts daraus gelernt hat. Merke: Wer lästert, fliegt. “Mir ist wichtig, dass dich nicht die falschen Menschen um den Finger wickeln”, erklärt er Prince Charming Alex und zielt damit auf seine Nemesis Andrea. “Offensichtlich hat er das ja. Und du bist drauf reingefallen.” Alex schaut ihn unbeeindruckt an und sagt: “Ich hätte dich so eingeschätzt, wie du gerade Andrea beschrieben hast.”

Dramatischer Abgang zum Abschluss

Wie aufs Stichwort latscht besagter Andrea genau in dem Moment bestens gelaunt im Neon-Badehöschen vorbei und erklärt: “Alles gut!” Das kann Benedetto nicht von sich behaupten: “Das war jetzt peinlich.” Stimmt, aber darum geht es doch schließlich in Datingshows, oder? Weshalb sich Benedetto, ganz der Profi, der er ist, noch eine Steigerung einfallen lässt. Als er am Ende der Show zusammen mit Sebastian gehen muss, erklärt er empört Prince Charming: “Wow, hätte ich nicht gedacht. Stehst wohl doch auf Fake.” Oder auch einfach nicht auf Männer, die sich vor allem für die Zahl ihrer Instagram-Follower interessieren.

Lange trauern dürfte Prince Charming nicht. Vielleicht findet sich die wahre Liebe ja woanders? Bei Joachim zum Beispiel? Mit dem geht es in Folge drei in den Keller, es gibt “Klärungsbedarf”, was wohl so etwas wie ein Codewort ist. Die beiden haben kaum etwas an, ihre Gesichter leuchten (verdammt sei dieser Batida!). Zu reden gibt es nichts, Zeit zu knutschen. Das muss sie doch nun sein, die echte, reine Liebe, wie es sie nur unter zwei angetrunkenen Männern in Mikrobadehosen gibt! Um es kurz zu machen: nein. Wenig später erklärt Joachim trocken, er habe Alex nicht etwa geküsst, “weil ich ihn gut finde”. Ihm geht es um “Competition”. Ein herber Rückschlag für alle Zuschauer von “Prince Charming”, die doch noch an Romantik glauben. Für alle anderen ist das erfrischend ehrlich – zumindest für eine Datingshow.

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