"Im Niemandsland" – Romanze an der bröckelnden Mauer

Berlin (dpa) – Direkt nach dem Mauerfall ergeben sich besonders in Berlin ganz neue Herausforderungen. Wie soll die bislang geteilte Stadt wieder zusammenwachsen? Ein junges Liebespaar befindet sich buchstäblich “Im Niemandsland”. So lautet dann auch der Titel eines Films, der an diesem Dienstag um 23.50 Uhr auf dem Ersten zu sehen ist. Das Drama läuft in der Reihe “Debüt im Ersten”.

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Berlin im Juni 1990: Die Mauer steht seit einigen Monaten offen, jetzt naht bereits die Währungsunion. Im Westteil lebt die 16-jährige Katja (Emilie Neumeister) mit ihrem kleinen Bruder bei ihren Eltern Heidi (Lisa Hagmeister) und Alexander Behrendt (Andreas Döhler). Alexander hofft auf Rückgabe einer Immobilie im Vorort Kleinmachnow.

Im Haus von Alexanders über die Grenze geflüchtetem Vater wohnt aber die Familie Paulsen – mit Vater Erwin (Uwe Preuss), Mutter Beatrice (Judith Engel) und dem 17-jährigen Sohn Thorben (Ludwig Simon).

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Während Alexander gerne wieder in das Haus einziehen möchte, vor dem sein Wohnwagen als Mahnwache steht, lehnt Heidi das strikt ab. Erwin bietet dafür sogar 86 000 D-Mark, weil seine Familie auf gar keinen Fall aus dem Haus ausziehen möchte. Vor dem Hintergrund dieses Zwistes verlieben sich Katja und Thorben ineinander.

Autor und Regisseur Florian Aigner (46) legt mit diesem Drama nach diversen Kurzfilmen (“Golgatha auf Türkisch”, “Blutstau”) seinen ersten Spielfilm vor. Er zeigt kleine dokumentarische Szenen aus der Wendezeit, er fängt starke Bilder zwischen den Mauerresten ein, die Orientierungslosigkeit und Wut sehr klar verdeutlichen.

Die namhaften Darsteller sind sämtlich überzeugend; die Themen seines Filmes sind der “Ausverkauf” der DDR an die Bundesrepublik in Form von stillgelegten Betrieben und entlassenen Mitarbeitern, die Enteignung von Grundstücken und Häusern – und eine zarte, ergreifende Liebesgeschichte, die durchaus an Romeo und Julia erinnert.

Emilie Neumeister (22, “Eltern mit Hindernissen”, “Zeit der Geheimnisse”) und Ludwig Simon (23, “Charité”, “Freies Land”) verkörpern das junge frisch verliebte Paar sehr eindrücklich und empathisch. Katja ist eher romantisch veranlagt und möchte gerne Tierärztin werden, Thorben gibt sich als Draufgänger und spielt sehr gut Handball – doch nach ihnen allein geht es leider nicht. Da sind die Eltern aus zwei Systemen, da ist Katjas fremdgehende Mutter, da ist Thorbens merkwürdiger Trainer mit dubioser Vergangenheit.

Bleibt die gemeinsame romantische Zeit für das Paar im sogenannten Niemandsland, einem Sandstreifen, wo die Grenzsicherung verlief und die Mauer jetzt große Lücken hat. Da ist alles ganz weit weg: Der Streit um Haus und Geld, die Stasi, die neue Währung, die nervenden Eltern. Dort hängen die beiden ab, sie tanzen zur Musik aus Kassetten, die im feuerroten Walkman stecken.

Dann passiert ein tragischer Unfall, gefolgt von einiger Sprachlosigkeit. So bleibt offen, ob die Verliebten in diesen wirren Zeiten genug Vertrauen zueinander und für den Aufbruch in eine neue Welt finden, wie sie sich nun vor ihnen auftut.

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