Downsizing

Schrumpfen für die Umwelt: Matt Damon und Christoph Waltz in einem sozialkritischen Science-Fiction auf Sat.1.

Matt Damon (l) als Paul und Christoph Waltz als Dusan in einer Szene des Films “Downsizing”. Foto: George Kraychyk/Paramount Pictures/Sat.1/dpa

Um die Überbevölkerung in den Griff zu bekommen, hat die Menschheit der Zukunft eine einfache Lösung gefunden: Wer will, kann sich einschrumpfen lassen und dafür als Zwerg in Saus und Braus leben.

Der Haken an der Sache: Es gibt kein Zurück. Und auch das Dolce Vita im Mini-Paradies «Leisureland» hat Kehrseiten, wie die Satire «Downsizing» am Sonntag um 20.15 Uhr auf Sat.1 zeigt.

Im Mittelpunkt steht Paul Safranek (Matt Damon), ein unfassbar durchschnittlicher US-Amerikaner mit zu weiten Polohemden und zu beigen Hosen. Den Traum, Chirurg zu sein, hat er aufgegeben, stattdessen arbeitet er als Werksarzt in einer Fleischerei. Zuhause verbringt er die Nächte über Rechnungen gebeugt im Keller. Wünsche und Ziele von ihm und seiner Frau Audrey (Kristen Wiig) sind dem US-Klischee entsprechend größer als ihre vorhandenen Mittel.

Doch dann ermöglicht ihnen ein revolutionäres biologisches Verfahren, sich so sehr zu schrumpfen, dass sie plötzlich in einem Puppenhaus in «Leisureland» wohnen könnten, einer Stadt der Geschrumpften, die auf einen einzigen Parkplatz passt. In der Welt von «Downsizing» haben norwegische Wissenschaftler dieses Verfahren als Ausweg für die von der Überbevölkerung bedrohte Menschheit entwickelt. Reizvoll ist, dass man sich in der Mini-Welt mit seinem Geld plötzlich viel mehr Luxus leisten kann. Paul und Audrey entscheiden sich für die medizinische Verwandlung – doch nach dem Aufwachen erfährt er, dass seine Frau in letzter Minute einen Rückzieher gemacht hat.

Der Film aus dem Jahr 2017 reißt ein halbes Dutzend gesellschaftliche Debatten von Überbevölkerung über Rassismus und Konsumgeilheit an, überfrachtet sein Werk damit letztendlich aber. Mindestens genauso enttäuschend sind viele prominent besetzte Nebenrollen: Neil Patrick Harris, Jason Sudeikis und sogar Udo Kier oder Christoph Waltz werden eingeführt, verschwinden dann allerdings meist viel zu schnell.

Doch nach der Hälfte findet die Satire dank der vietnamesischen Bürgerrechtlerin Ngoc Lan Tran endlich ihren Takt. Sie ist in einem Fernsehkarton in die Winzwelt geschmuggelt worden, hat dabei ein Bein verloren und kümmert sich seitdem rührend um eine Truppe Aussätziger und Putzleute, die am Rande von Leisureland leben. Natürlich sind auch hier die Parallelen zu aktuellen Wohlstandsgesellschaften und ihren Dienstleisterbrigaden alles andere als subtil, aber Schauspielerin Hong Chau gibt diesem Film einen sensationellen Drive. Ihre Wärme und Tatkraft erobern den Plot und schließlich auch das Herz von Paul.

Damit wird «Downsizing» aber zu einer recht konventionellen Liebesgeschichte, der x-ten, bei der die Zuschauer erleben müssen, wie eine quirlige Frau einem versackten Typen mit Midlife Crisis wieder in die Spur hilft – den Schrumpfungszauber aus der ersten Hälfte hätte es dafür aber nicht gebraucht.

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