Riccardo Simonetti: "Es ist nicht einfach als schwuler Mann"

Er setzt sich ein für das Gute, kämpft gegen das Böse und unterstützt die, denen es schlecht geht. Dennoch stößt Riccardo Simonetti im Netz immer wieder auf Kritik, wie er im Interview mit t-online verraten hat.

Seine Bekanntheit (über 250.000 Follower auf Instagram) nutzt Riccardo Simonetti auch, um Gutes zu tun. Der Entertainer bespaßt über die Plattform nicht nur seine Fans, er macht seine Anhänger auch auf wichtige Themen aufmerksam. So setzt sich der 27-Jährige zum Beispiel für Mobbing-Opfer ein oder ist Botschafter für “Jugend gegen AIDS”.

Seit 2018 ist Riccardo Simonetti auch ein Teil der DKMS-LIFE-Organisation. Gemeinsam mit Kollegen wir Guido Maria Kretschmer, Angelina Kirsch und Palina Rojinski unterstützt er mit einem ganz besonderen Projekt Frauen, die an Krebs erkrankt sind. Im Interview mit t-online spricht der Entertainer über die Kampagne, die ihm sehr am Herzen liegt, aber auch über Hass im Netz und Morddrohungen von Hatern.

t-online: Herr Simonetti, Sie sind Botschafter der “Krebs macht keine Pause”-Kampagne der DKMS LIFE. Was bedeutet Ihnen das?

Riccardo Simonetti: Ich habe viele weibliche Fans und finde es liegt daher auch in meiner Verantwortung, Themen anzusprechen, die wichtig für sie sind. Warum sollten Männer nicht auch auf die Wichtigkeit von Vorsorgeuntersuchungen aufmerksam machen?

Die Kampagne konzentriert sich vor allem auf Frauen, die während der Chemotherapie zum Beispiel ihre Wimpern und Augenbrauen verloren haben. Bei den Kosmetikseminaren von DKMS LIFE, die im Rahmen des Patientenprogramms “look good feel better” stattfinden, geht es auch darum, durch Kosmetik das Selbstbewusstsein zurückzugewinnen. Wie finden Sie diese Idee?

Was Menschen in dieser Zeit durchmachen müssen, ist unglaublich. Deshalb wollte ich meine Stimme dafür einsetzen, um auf eine Organisation aufmerksam zu machen, die so vielen ihr Lächeln zurückgibt, zumindest für eine Weile. Und das ist sehr inspirierend. Mittlerweile bin ich Botschafter der DKMS LIFE und Kuratoriumsmitglied des jährlichen dreamball und durfte in den “look good feel better”-Kosmetikseminaren der DKMS LIFE bereits so viele Frauen treffen, die dankbar waren, während der Zeit ihrer Chemotherapie mal über etwas anderes sprechen zu können als über Schmerz. Diese Seminare sind für mich immer etwas ganz Besonderes.

Auch Sie mussten Ihr Selbstbewusstsein zurückgewinnen. In Ihrer Jugend wurden Sie gemobbt, heute sprudeln Sie vor Energie und Freude. Wie haben Sie gelernt, damit umzugehen?

Ich glaube, das Wichtigste ist, dass man Entscheidungen trifft, die unabhängig sein sollten von der Frage, ob es dafür Applaus im Leben gibt oder nicht. Manchmal ist man der Einzige oder die Einzige, die etwas richtig toll findet und wenn das niemand anderes aber so empfindet, sollte man sich nicht von seinem Weg abbringen lassen. Das musste ich selbst auch lernen und muss mich selbst immer noch jeden Tag daran erinnern, da der Druck auf Social Media und Co. einem nur noch mehr verdeutlicht, von welch veralteten Normen unsere Gesellschaft eigentlich dominiert ist.

Der Hass im Netz wird immer schlimmer. Während Instagram vor ein paar Jahren noch eine Plattform vieler schöner Dinge war, wird man für immer mehr Content angefeindet. Prallen negative Kommentare denn mittlerweile an Ihnen ab?

Nein, es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass mich das nicht auch treffen kann. Es kommt immer auf die Tagesform und das Thema an. Selbstbewusstsein ist nicht etwas, das man einmal erreicht und dann nie wieder verlieren kann. Binnen Sekunden kann das stärkste Selbstbewusstsein ins Schwanken kommen und ich brauche auch immer wieder mal Abstand vom Internet.

Welche Nachricht eines Internet-Trolls ging Ihnen besonders nah?

Morddrohungen sind immer etwas, das einen langfristig traurig machen.

Anfang des Jahres hatten Sie sich aus Social Media zurückgezogen. Überlegen Sie manchmal, alles komplett hinzuwerfen und aufzuhören?

Es ist nicht einfach als schwuler Mann, der permanent auf Missstände aufmerksam macht, in der Öffentlichkeit zu stehen. Aber ich liebe das, was ich tue, und würde mich nie von meinem Weg abbringen lassen, nur um Hatern auszuweichen.

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