Nach Boris Johnsons Rücktritt: Die Queen und ihre Premierminister

Nach Boris Johnsons Rücktritt: Die Queen und ihre Premierminister

Wer folgt als Nummer 15?

Boris Johnson (58) wird in wenigen Wochen als Premierminister von Großbritannien nicht mehr im Amt sein. Nach zahlreichen Eskapaden – wie unter anderem Partys während des Corona-Lockdowns – verlor der konservative Politiker zunehmend die Unterstützung seiner Regierung. In der Konsequenz trat Johnson am Donnerstag als Vorsitzender der Conservative Party zurück und wird den Premierminister-Posten räumen, sobald ein neuer Tory-Chef gewählt ist.

Damit wird Queen Elizabeth II. (96) aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr ein 15. Premierminister dienen und ihr als britisches Staatsoberhaupt im Buckingham Palast Bericht erstatten. Obwohl die Königin laut Verfassung nur das Land repräsentiert und keinerlei politische Macht hat, gelten die gemeinsamen Termine immer noch als Prüfstein für den Regierungschef – schließlich hatte sie zu einigen Vorgängern nicht immer einen guten Draht. Auch nicht zu Boris Johnson. Ein Überblick.

Winston Churchill dürfte der Lieblings-Premier der Queen gewesen sein. Der legendäre Politiker hatte zunächst große Zweifel an der Fähigkeit und dem politischen Verstand der Königin, die bei ihrer Thronbesteigung erst 25 Jahre alt war. Das hat sich schnell gelegt. Er brachte ihr bei, dass die Größe einer Leistung auch an der Größe der persönlichen Opfer gemessen werden könne.

Churchill soll der jungen Monarchin die Welt erklärt haben. Es heißt, dass sich der 51 Jahre ältere Politiker sogar ein wenig in seine Königin verliebt haben soll. Immerhin gab er ihr den Tipp, dass besonders langlebige Beziehungen, wie die zu seiner Ehefrau Clementine, nur halten, wenn man als Paar nie gemeinsam frühstückt.

Anthony Eden war der zweite Premierminister der Königin. Nachdem Churchill seinen Ruf als Liebling der Queen breitgetreten hatte, wurde dem Politiker schnell klar, dass er in große Fußstapfen treten würde. Trotz seiner stetig anhaltenden Nervosität, machte er bei Elizabeth direkt einen sympathischen Eindruck. Für ihre Interessen soll er zudem immer ein offenes Ohr gehabt haben.

Harold Macmillan zählt ebenfalls zum Favoritenkreis der Königin. Er soll stets ein weltmännischer und unerschütterlicher Gesprächspartner gewesen sein. Zwischen ihm und der Monarchin soll sich rasch ein warmherziges Verhältnis entwickelt haben. Kein Wunder, denn die beiden sollen eine ausgeprägte Leidenschaft für politischen Klatsch und Tratsch geteilt haben.

Sir Alec Douglas-Home war Mitglied des englischen Hochadels und ein Kindheitsfreund der Königin. Er kannte Elizabeth schon von klein auf, wodurch die beiden eine herzliche Beziehung zueinander pflegten. Durch ihre innige Freundschaft ergab sich jedoch ein Problem: Nicht immer war sich Douglas-Home darüber im Klaren, wann er zu der Monarchin als Freund und wann als Regierungschef sprechen sollte.

Harold Wilson war der erste Premierminister der Queen, der von der sozialdemokratischen Labour-Partei kam. Ihr Verhältnis war von Anfang an unkompliziert. Er sagte einmal, seine wöchentlichen Termine bei der Königin seien wie Besuche „bei meiner Mutter“, herzlich und wohlwollend. In seiner zweiten Amtszeit durfte Wilson sogar auf ein „paar Drinks“ bei der Queen bleiben, nachdem die royalen und politischen Pflichten erledigt waren.

Edward Heath hatte es dagegen ziemlich schwer bei Queen Elizabeth II. Ihm soll es an Charme und Empathie gefehlt haben, um das Herz der Königin für seine Absichten zu gewinnen. Besonders wenn es um ihre englische Rolle in Europa sowie als Chefin des Commonwealth ging, vertraten die beiden völlig unterschiedliche Ansichten.

James Callaghan hatte eine schwierige Amtszeit, als Streiks das Land erschütterten. Er schaffte es jedoch, die Wochengespräche mit der Königin als Augenblicke der Besonnenheit und Ruhe zu gestalten. Beide haben das offensichtlich genossen.

Margaret Thatcher war für die Königin eine der schwierigsten Ansprechpartnerinnen. Elizabeth war nicht nur irritiert vom Faible Thatchers für seltsame Handtaschen. Sie beklagte auch oft die soziale Gefühlskälte der Premierministerin – obwohl diese jedes Mal so tief knickste, wie sonst niemand. Es heißt, dass die Queen nach jedem Treffen mit der eisernen Lady, wie Thatcher genannt wurde, zunächst einen Whisky gebraucht hätte.

John Major war der Mann nach Thatcher. Er hatte es also wesentlich leichter, um mit der Queen ein inniges Verhältnis aufzubauen und ging dafür auch völlig offen in die Gespräche mit der Monarchin. Major war davon so angetan, dass er sich sogar in seiner Arbeit entlastet fühlte.

Die Beziehung zu Premierminister Tony Blair soll sich, wie die zu Maggie Thatcher, als schwierig erwiesen haben. Blairs Frau hatte bei seinem Amtsantritt den altbewährten Hofknicks verweigert, was die Queen ganz und gar nicht amüsiert hat. Die Monarchin legt schließlich großen Wert auf das traditionsreiche Hofprotokoll. Darüber hinaus habe sie seine forsche und bürokratische Ader immer wieder beunruhigt. Er selbst soll Elizabeth für gefühllos gehalten haben.

Gordon Brown war für seinen schottischen Akzent bekannt und heimste sich damit direkt einen kleinen Vorteil bei der Queen ein. Ein liebevolles Verhältnis soll zwischen den beiden dennoch nie entstanden sein. Brown erhielt nicht einmal eine Einladung zu der Hochzeit von Prinz William und Herzogin Kate.

David Cameron ist ein entfernter Verwandter der britischen Königsfamilie. Er und die Königin kannten sich bereits von klein auf. Zum ersten Mal sah sie ihn als er acht Jahre alt war, zusammen mit ihrem Sohn Prinz Edward in der Schule von Toad Hall. Auch später standen sich die beiden stets sympathisch gegenüber.

Theresa May vergrätzte die Queen gleich zu Beginn ihrer Regierungszeit. Sie belog die Monarchin, indem sie behauptet hatte, ein Abkommen mit der nordirischen Partei DUP sichergestellt zu haben – das sei schließlich die Voraussetzung für ihre Ernennung als Premierministerin gewesen. Dieses kam jedoch erst drei Wochen später zustande, was die Königin sehr verärgerte.

Boris Johnson sah in seiner gesamten Amtszeit immer zur Queen auf und nannte sie in einer Rede im britischen Parlament sogar generös „Elizabeth die Große“. Doch ob diese Zuneigung auf Gegenseitigkeit beruht? Zumindest zweifelhaft. Zu sehr kratzten die Skandale um Johnson, wie zum Beispiel „Partygate“, am weltweiten Image Großbritanniens. Sicher nicht zum Gefallen der Queen. Johnson entschuldigte sich sogar öffentlich bei ihr, nachdem er Inhalte über eine Privataudienz öffentlich ausplapperte.

Noch ist die Nachfolge von Boris Johnson nicht geklärt. Seriöse britische Zeitungen sprechen von einem offenen Machtkampf hinter den Kulissen der konservativen Partei, dessen Ende noch überhaupt nicht abzusehen ist. Erst in den nächsten Wochen wird sich zeigen, wer die besten Chancen hat, bald der Queen Bericht zu erstatten. Ein interessanter Name fiel allerdings in all den derzeit sprudelnden Spekulationen bereits:

Die ehemalige Premierministerin und direkte Vorgängerin von Boris Johnson, Theresa May, soll ihre Gefolgschaft innerhalb der Partei bereits in Stellung gebracht haben, um erneut das Ruder zu übernehmen. Es wäre für sie eine späte Rache: Johnson drängte sie vor drei Jahren aus dem Amt, erzwang ihren Rücktritt und beerbte May.

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