Mit seinem Oscar-Triumph schrieb er 1964 Geschichte – nun ist Sidney Poitier gestorben

  • Hollywood trauert um eine Legende.
  • Sidney Poitier ist im Alter von 94 Jahren gestorben.

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Die weite Reise wollte Sidney Poitier vor fünf Jahren, kurz vor seinem 89. Geburtstag, nicht mehr antreten: Per Live-Schalte wurde der ergraute Hollywood-Star im Februar 2016 in die Bafta-Verleihung in London geholt, um den höchsten Preis der britischen Filmakademie für sein Lebenswerk entgegenzunehmen. Auftritte im Rampenlicht waren selten geworden, doch die Ausstrahlung und das Auftreten einer Filmikone hatte er nicht verloren. Aufrecht, mit würdevoller Stimme und intensivem Blick zog Sir Sidney Poitier das Publikum mit einer langen Dankesrede in den Bann.

Nun trauert die Welt um den Star, der als Wegbereiter für Afroamerikaner Hollywood-Geschichte schrieb. Poitier starb mit 94 Jahren, wie ein Beamter im Außenministerium der Bahamas der Deutschen Presse-Agentur am Freitag bestätigte. Der Premierminister des Landes, Philip Davis, ehrte Poitier in einer Ansprache.

Höchste Ehre von Obama verliehen

Der in ärmsten Verhältnissen auf den Bahamas aufgewachsene Bauernsohn wurde schon 1974 von der britischen Queen zum Ritter geschlagen. Der damalige US-Präsident Barack Obama verlieh ihm 2009 die „Presidential Medal of Freedom“, die höchste zivile Auszeichnung der USA. In dem Ende September 2021 eröffneten neuen Academy Museum in Los Angeles wurde die riesige Eingangshalle nach dem legendären Schauspieler benannt.

Als Poitier 2002 einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk entgegennahm, gabe es minutenlang tobenden Applaus. Mit 22 Jahren sei er nach Hollywood gekommen, um eine Reise anzutreten, die damals „fast unmöglich“ erschien, sagte Poitier in seiner bewegenden Ansprache. Er lobte die „mutigen und selbstlosen“ Entscheidungen von Regisseuren und Produzenten, die ihm trotz seiner Hautfarbe Rollen und damit eine Chance gegeben hätten.

Ein Wegbereiter

Poitier war der Wegbereiter für schwarze Leinwandstars wie Denzel Washington, Morgan Freeman, Louis Gossett Jr., Halle Berry und Viola Davis. Vor ihm hatte nur Hattie McDaniel 1940 für ihre Nebenrolle als Haushälterin im Melodrama „Vom Winde verweht“ als Schwarze einen Oscar gewonnen. Fast 25 Jahre vergingen, ehe Poitier 1964 für „Lilien auf dem Felde“ als erster Schwarzer zum besten Hauptdarsteller gekürt wurde. Der damals 37-Jährige überzeugte die Akademie mit der Darstellung eines schwarzen Arbeiters auf der Farm weißer Nonnen. Er setzte sich unter anderem gegen Paul Newman und Albert Finney durch.

Zu Poitiers Erfolgen zählt auch, dass er als erster Schwarzer in einem Hollywood-Film eine Weiße küsste. Zwar wurde die leidenschaftliche Szene 1967 noch verschämt durch den Rückspiegel eines Taxis gedreht, aber sie gehört in die Reihe jener Durchbrüche, für die Bürgerrechtler ihn feierten, für die manche Aktivisten ihn aber auch lange als angepassten „weißen Schwarzen“ schmähten.

Legendäre Kuss-Szene

Die Kuss-Szene stammt aus dem Film „Rat mal, wer zum Essen kommt“, in dem Poitier einem betuchten Elternpaar, gespielt von Katharine Hepburn und Spencer Tracy, als künftiger Schwiegersohn präsentiert wird. Katharine Houghton mimte damals die Verlobte von Poitiers Leinwandfigur.

Bei den Dreharbeiten zu der Kuss-Szene sei eine „unglaubliche Anspannung“ spürbar gewesen, erzählte die Schauspielerin 2017 dem US-Magazin „Vanity Fair“. Als Schwarzer sei Poitier sehr kritisch beäugt worden. „Er musste besser sein als ein weißer Mann. Und das war sein großes Geschenk an Amerika. Er entschied sich, der perfekte Mann zu sein“, sagte Houghton über Poitier.

Die Rollenangebote für den blendend aussehenden Darsteller überschlugen sich, Ende der 1960er Jahre galt Poitier als bestbezahlter Filmschauspieler. Neben „Rat mal, wer zum Essen kommt“ war er 1967 noch in zwei weiteren Filmen zu sehen. In dem Krimi „In der Hitze der Nacht“ glänzte er als Kriminalexperte aus dem Norden, der sich gegen einen rassistischen Südstaaten-Sheriff (Rod Steiger) durchsetzen muss.

Vom Tellerwäscher zum Millionär

Geboren wurde Poitier am 20. Februar 1927 in Florida. Es war ein Zufall, dass das jüngste von sieben Kindern einer armen Bauernfamilie von den Bahamas in den USA zur Welt kam. Die Eltern verkauften dort Gemüse, das Baby kam früher als geplant. Poitier, der auf der kleinen Cat-Island-Insel groß wurde, folgte als Teenager einem älteren Bruder nach Florida. Dort schlug er sich als Straßenverkäufer, Tellerwäscher und Handlanger durch.

In New York trat er dem American Negro Theater bei. Nach kleinen Broadway-Rollen gab er 1950 in „Der Hass ist blind“ („No Way Out“) an der Seite von Richard Widmark in einer Arzt-Rolle sein Filmdebüt. Der Star aus Filmen wie „Flucht in Ketten“, „Porgy and Bess“ und „Ein Fleck in der Sonne“ drehte 1997 mit dem Action-Thriller „Der Schakal“ seinen letzten Spielfilm.

In zweiter Ehe war der Vater von sechs Töchtern mehr als 40 Jahre lang mit der kanadischen Schauspielerin Joanna Shimkus verheiratet. Als Poitier 2016 den Bafta-Preis erhielt, dankte er insbesondere seiner Familie. Stolz erwähnte er seine Frau, die sechs Töchter, Enkel und Urenkel. „Ihr seid mein Ein und Alles“, sagte der Star sichtlich gerührt. (mss/dpa)

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