Dieses Gesicht fuhr Höchstgeschwindigkeit

Kaum einer hat mit seinem Gesicht so viel Blödelei ausdrücken können wie Mirco Nontschew. Der Komiker stirbt mit nur 52 Jahren viel zu früh und hinterlässt eine einzigartige Lachlücke. 

„Einmal pro Sendung zeigte Gott auf Mirco und sprach ‚Du seiest nun für drei Minuten der lustigste Mensch der Welt.'“ Das sagte Wigald Boning einmal über seinen Kollegen Mirco Nontschew und bringt damit nicht nur seine Anerkennung zum Ausdruck, sondern auch das Ausnahmetalent des Berliners auf den Punkt. 

Mirco Nontschew bringt jetzt andernorts sein Gegenüber zum Lachen. Der Komiker ist tot, starb mit nur 52 Jahren. Die Todesursache wurde bisher nicht geklärt. Sein Ableben kommt allerdings überraschend. Nach längerer Zeit zeigte sich Nontschew erst vor wenigen Monaten wieder einem großen Publikum. In der Comedyshow „LOL: Last One Laughing“ von Bully Herbig feierte er sein Comeback. Und sie war immer noch da, diese unnachahmliche Gesichtsakrobatik, die Nontschew zu etwas Besonderem machte. 

Hugo Egon Balder musste das gleich in dem damals erst 24-Jährigen gesehen haben, als er ihn entdeckte und für die Unterhaltungssendung „RTL Samstag Nacht“ mit an Bord nahm. Seitdem begeisterte Nontschew die Menschen vor dem Fernseher. Er fuhr mit seinem Gesicht gewissermaßen Höchstgeschwindigkeit, schaffte sicherlich 150 Ausdrücke die Minute. Er hatte die ungewöhnliche Gabe mit seinem irren Blick in den Augen und den außergewöhnlichen Geräuschen aus seinem Mund Bände zu erzählen, die andere mit tausenden von Worten nicht zum Ausdruck bringen konnten. 

Ich erinnere mich noch gut an die Samstagabende vor dem Fernseher, in denen ich eigentlich noch viel zu jung war, um genau zu verstehen, was der Mann mit den sich schnell bewegenden Augen da macht, aber eins verstand ich schnell: Er war lustig. 

Auf der Bühne brauchte Nontschew nicht viel mehr als seinen Körper, um ein Kunststück zu vollziehen. Aber auch in Interaktion mit seinen Kollegen brillierte er. Unvergessen bleiben etwa die Sketche mit Stefan Jürgens, bei denen Nontschew stets als dümmlicher selbstverliebter Trottel überzeugte.

Nontschews Geheimrezept  

Einfachste Blödelei gepaart mit seinem besonderen akustischen und visuellen Ausdruckstalent ohne selbst je primitiv oder blöd zu wirken, das war wohl Nontschews Geheimrezept. Das kochte er auch jüngst wieder auf, als er mit Künstlern wie Anke Engelke oder Carolin Kebekus im Format „LOL: Last One Laughin“ auftrat. In der Show, in der die Comedians alles dürften, außer zu lachen, sorgte die Teilnahme von Nontschew für schockierte Gesichter bei seinen Kollegen. Der Grund lag auf der Hand: Es ist schier unmöglich im Beisein des Komikers nicht zu lachen. 

Mirco Nontschew hatte ein Talent, das er seinen Mitmenschen schenkte und ihnen Freude ins Gesicht zauberte. Eitelkeiten oder sich selbst etwa als Persönlichkeit nahm er stets zurück. Er war gewissermaßen gekommen, um zu geben. Nun geht er, um zu bleiben. 

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