100. Geburtstag: So war der Charakter des Queen-Ehemanns

Sein 100. Geburtstag wurde schon geplant, gefeiert wird er nicht. Zwei Monate vor diesem besonderen Ereignis starb Prinz Philip. Die Queen hat eine nach ihm benannte Rose gepflanzt – das ist gleich zweifach passend.

“Lebe wohl Prinz Philip – ich habe großen Respekt vor einem Mann, der seinen Stolz herunterschlucken kann, um sein Leben der Unterstützung der Königin zu widmen”, war kurz nach seinem Tod am 9. April auf Schildern zu lesen, die mit Blumen vor dem Buckingham-Palast in London niedergelegt wurden. Beileidsbekundungen von Menschen, die ihn nicht persönlich kannten, von Menschen, die ihn heute wahrscheinlich hätten hochleben lassen.

Prinz Philip war eine feste Konstante in der Monarchie und im Leben der Queen, mit der er über 73 Jahre lang verheiratet war. Heute, an seinem 100. Geburtstag, ist er seit fast genau zwei Monaten tot. Elizabeth II., die ihre Arbeit nach einer Trauerphase wieder aufgenommen hat, hat ihm zu seinem Ehrentag eine nach ihm benannte Rose auf dem Gelände von Schloss Windsor gepflanzt. Die Blume der Liebe, natürlich. Schön blühend und doch dornig, irgendwie passend zum Charakter von Prinz Philip.


Denn Prinz Philip hatte zwar zeit seines Lebens einen großen Einfluss, bewegte viel und war immer eine Stütze für die Queen. Aber nicht nur das hat Prinz Philip ausgemacht. Oft angemerkt wird auch, dass er mit seinen Fehltritten für Schmunzler sorgte. Dabei waren viele seiner Ausrutscher mehr als solche – quasi Philips charakterliche Dornen, aber dazu später mehr.

Prinz Philip modernisierte die Monarchie

Prinz Philip hat die Monarchie modernisiert, hat royale Reformen vorangebracht. Ihm war durch sein eigenes Schicksal bewusst, dass dies vonnöten ist, um sie überhaupt am Leben zu halten. Denn er wurde auf der griechischen Insel Korfu als Philip von Dänemark und Griechenland geboren, floh von dort nach einem Militärputsch gegen die Monarchie mit seinen Eltern und landete als Kleinkind bei Verwandten in England. Diese Erlebnisse seien laut dem Historiker Ed Owens der Schlüssel dazu gewesen, wie Philip den Rest seines Lebens auf das Konstrukt Monarchie blickte. Er sah es “als etwas, das nicht unbedingt dauerhaft ist, das populär gehalten werden muss”, sich anpassen muss. Und daran arbeitete er.

Prinzessin Elizabeth und Prinz Philip mit der Royal Family nach ihrer Hochzeit auf dem Balkon des Buckingham-Palastes: Dieses Bild enstand am 20. November 1947. (Quelle: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images)

Sein erster Coup nach dem Tod von Elizabeths Vater: Er machte die Monarchie massentauglich, denn er war maßgeblich daran beteiligt, dass die Krönung seiner Frau 1953 im Fernsehen zu sehen war. Er versuchte durch die Massenmedien, das Image der Royals zu verbessern, beispielsweise mit einer BBC-Doku über das Privatleben der königlichen Familie im Jahr 1969. Mehr noch, er sorgte für mehr Bodenständigkeit: Laut BBC ließ er Mittagessen ausrichten, bei denen die Queen Menschen mit verschiedenen Backgrounds traf, um Gespräche zu führen und über den Tellerrand hinaus zu blicken. Die zweite Küche im Palast, aus der einzig das Essen für Mitglieder der Royal Family kam, ließ er schließen. Prinz Philip trug seine Koffer selbst bei den zahlreichen Reisen, die er mit seiner Frau unternahm. Im Buckingham-Palast ließ er Gegensprechanlagen einbauen und er setzte sich dafür ein, dass die royalen Nachkommen den Nachnamen Mountbatten-Windsor tragen. 

Das “Duke of Edinburgh’s Award”-Programm

Doch nicht nur hinter den Palastmauern hat er viel bewegt und zum Blühen gebracht. 1956 gründete Prinz Philip das “Duke of Edinburgh’s Award”-Programm. Daran können junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren teilnehmen. Es geht darum Freiwilligenarbeit zu leisten, neue körperliche Fähigkeiten zu erlernen, Expeditionen zu unternehmen und dabei erfolgreich zu sein, um das Selbstverstrauen zu stärken. 2016 gab es weltweit 1,3 Millionen Teilnehmer. “Wenn man junge Menschen dazu bringen kann, in irgendeinem Bereich erfolgreich zu sein, wird sich dieses Erfolgserlebnis auf viele andere Bereiche übertragen”, sagte Philip einst über das Programm. Es besteht noch immer. 

Viele junge Menschen verdanken ihm eine Menge. Ohne das Programm, sagte James, der einst daran teilnahm, der BBC, wäre er “wahrscheinlich im Knast”, denn als Jugendlicher hätten er und sein Kumpel aus Langeweile nur Unfug im Sinn gehabt. Das Programm war eine Chance, gab ihnen den Anreiz, etwas zu schaffen und für etwas zu kämpfen. Dies ist nur eines von vielen positiven Beispielen, die aus dem Konzept des Herzogs von Edinburgh hervorgingen. Das Programm wiederum ist nur ein Beispiel von vielen positiven Dingen, die er für die Allgemeinheit getan hat. Immerhin hatte Philip über 800 Schirmherrschaften und Präsidentschaften inne und absolvierte in seinem Leben über 22.000 Auftritte, häufig für den guten Zweck.

Aber nicht nur Fleiß und Disziplin zeichneten ihn aus, schaut man sich Fotos von Prinz Philip an, so scheint es, als sei er eines der lockersten und lustigsten Mitglieder der Royal Family gewesen. Bei öffentlichen Terminen sah man ihn herzlich lachen und sein Umfeld mitreißen. Interne Quellen berichteten, der Humor und das gemeinsame Lachen hätten den Herzog von Edinburgh und die Queen zusammengeschweißt und zusammengehalten. 

Philip sei der einzige Mensch gewesen, der die Queen wie einen ganz normalen Menschen behandelte, ist immer wieder zu lesen. Sie selbst bezeichnete ihn bei der Goldenen Hochzeit 1997 als ihre “Stärke und ihren Halt”. Hinter den Palastmauern, so heißt es, hatte er sinngemäß “die Hosen an”. Philip schrieb Bücher, liebte es, Vögel zu beobachten und malte Bilder mit Ölfarben. Er setzte sich schon früh für den Umweltschutz ein. Der WWF, dessen Präsident er von 1981 bis 1996 war, bezeichnete ihn als “Naturschützer der ersten Stunde”. Seine Anstrengungen haben die Organisation zu wichtigen Erfolgen geführt. Doch: Er jagte auch und stellte sich vor die Jagdlobby, was wiederum Naturschützer verärgerte.

Prinz Philip: Am 10. Juni 2021 wäre er 100 Jahre alt geworden. (Quelle: Yui Mok – WPA Pool/Getty Images)

Philips verbale Entgleisungen

Nicht nur darüber zeigten sich besonders Kritiker des Prinzen und der Monarchie verärgert. Er sorgte wiederholt für Kontroversen. Denn so lustig Philips Tritte in Fettnäpfchen, seine Sprüche und Sticheleien für viele gewesen sein mögen, dass er mit seinen Kommentaren häufig Menschen verletzt haben dürfte, steht fest. Wohl nur wegen seines Standes als Ehemann der Queen wurden seine häufig rassistischen oder diffamierenden Äußerungen als “Fehltritte” oder “Fettnäpfchen” abgetan.

Der britische “Independent” hatte zu Philips 90. Geburtstag im Jahr 2011 “90 der abfälligsten Kommentare des Herzogs von Edinburgh” zusammengetragen. Hier sind einige Beispiele: 1986 sagte er zu einer Gruppe britischer Studenten, die er beim Staatsbesuch in China traf: “Wenn ihr noch länger hier bleibt, werdet ihr alle schlitzäugig sein.” Zum damaligen nigerianischen Präsidenten Olusegun Obasanjo, der die Nationaltracht trug, sagte er mal: “Sie sehen aus, als wären Sie bettfertig.”

“Also, wer ist hier auf Drogen?”

“Und aus welchem exotischen Teil der Welt kommen Sie?”, fragte er 1999 dem Tory-Politiker Lord Taylor of Warwick, dessen Eltern aus Jamaika stammen. Dessen Antwort: “Birmingham.” 2002 sagte er zu einem 14-Jährigen in einem bangladeschischen Jugendclubs: “Also, wer ist hier auf Drogen?… ER sieht aus, als ob er auf Drogen ist.” Zu rechtfertigen ist so etwas nicht, weder mit seinem Stand, noch mit dem, was er erreicht hat.

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Denn das hat er ja: Er hat viel bewegt, wird der Monarchie fehlen. Am heutigen Donnerstag wäre Philip, der dienstälteste Prinzgemahl der britischen Geschichte, 100 Jahre alt geworden. Er bleibt sicherlich unvergesslich, doch seine Entgleisungen, die bleiben es auch. Nun blüht die nach ihm benannte pink-weiße Rose, die von der Royal Horticultural Society gezüchtet wurde, für ihn weiter. Ganz besonders, einnehmend und doch mit piekenden Dornen. 

Übrigens: Die Rose soll auch verkauft werden, vom Erlös gehen jeweils einige Pfund an eine von Prinz Philip ins Leben gerufene Organisation gespendet, die sich für benachteiligte Kinder einsetzt.

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