So klingen die Achtzigerjahre mit Beatrice Egli

In der Flut von neuen Alben und Neuauflagen alter Klassiker kann man schon mal den Überblick über die Musiklandschaft verlieren. t-online.de hat dafür offene Ohren und gibt Ihnen Lauschtipps.

Bei Spotify, Apple Music und Co. wird man mit Neuerscheinungen schier überfordert. Playlists aktualisieren sich ständig, nicht alles darin gefällt und überhaupt ist das Album doch das viel schönere Format. Wenn Sie mal wieder richtig Lust auf neue Sounds haben, Ihnen aber die Zeit fehlt, sich durch die Neuveröffentlichungen der Woche zu hören, stimmt t-online.de Sie mit der neuen wöchentlichen Rubrik “Schon gehört” (jeden Freitag) ein. Hier gibt es die besten, wichtigsten und skurrilsten Alben für die nächsten sieben Tage.

Beatrice Egli – Bunt

(Quelle: Universal Music Group)

Dass die Schweizerin mal DSDS gewonnen hat, vergisst man oft. Vielleicht, weil ihre Karriere nach der Castingshow richtig aufblühte, statt abzusacken. Mittlerweile zählt Beatrice Egli zu den erfolgreichsten Schlagersängerinnen der Szene. Mit “Bunt” wagt sie den Rückblick auf ihre Karriere und schaut gleichzeitig nach vorne. Denn neben alten Hits wie “Mein Herz”, “Wir leben laut” oder “Kompass” gibt es auch neuen Stoff in grellen Neonfarben.

Beatrice taucht musikalisch in die Achtzigerjahre ab, wie sie im Interview mit t-online.de verrät. Synthie-Pop, Uptempo und griffige Hooklines wie bei “Bunt” oder “I.N.S.T.A.” – das kann Beatrice natürlich und dafür mögen ihre Fans sie. Das hat zwar nicht die Klasse von New Order oder “Black Celebration”-Depeche-Mode, aber sollte das “Fernsehgarten”-Publikum ordentlich zum Mitschunkeln animieren. Übrigens: Die Deluxe Edition des Albums kommt mit einer Bonus-CD daher, auf der Beatrice Songs auf Schwyzerdütsch, Italienisch oder Französisch singt.

Biffy Clyro – A Celebration of Endings

(Quelle: Warner Music )

Da sind sie wieder! Nach dem etwas schwachen “Ellipsis”, welches drei absoluten Granaten wie “Puzzle”, “Only Revolutions” und dem Doppelalbum “Opposites” folgen musste, konnte schon der letztjährige Soundtrack “Balance, Not Symmetry” wieder mehr überzeugen. An “A Celebration of Endings” haben Fans von griffigem, aber anspruchsvollem Alternative Rock nun wieder mächtig Freude.

Mit Songs wie “Instant History” konnten Biffy Clyro schon als Vorab-Single punkten. Für “North of No South” würden Muse einiges hergeben. “The Champ” ist einer der außergewöhnlichsten Songs der LP. Mehr 007-Soundtrack, als Rocknummer und dennoch eindeutig Biffy Clyro. “Cop Syrup” ist so verrückt, dass es auch auf “Infinity Land” gepasst hätte. So aggressiv hat man die Band schon lange nicht mehr erlebt.

  • Im t-online.de-Interview spricht die Band über das neue Album.

“A Celebration of Endings” ist in etwa das Album, welches man sich nach “Opposites” gewünscht hätte. Obwohl ich “Ellipsis” – beflügelt von der Euphorie über die Neue des Schotten-Trios – vielleicht noch mal eine Chance geben werde. “Animal Style” war schon ein Banger …

Lindsay Ell – Heart Theory

(Quelle: Oktober Promotion)

Wem die letzte Taylor Swift zu viel Bright Eyes war und die Alben davor zu viel Bubblegum-Teenie-Pop, der sollte sich mal Lindsay Ell anhören. Das ist irgendwo zwischen Country und Pop anzusiedeln und klingt trotzdem nach 2020, anstatt nach Südstaaten-Ewiggestrigkeit. “Heart Theory” soll ein Konzeptalbum sein, welches in zwölf Songs die sieben Phasen der Trauer behandelt: Schock, Leugnung, Wut, Verhandeln, Depression, Austesten und Akzeptanz. Keine Sorge: Musikalisch geht es nicht so düster zu, wie die aufgezählten Phasen vielleicht vermuten lassen.

Übrigens ist Lindsay Ell in den USA schon ein kleiner Star. Ihr Debütalbum “The Project” stürmte direkt an die Spitze der US-Countrycharts. Und für die Fans von Swifti: “Wrong Girl” ist das “You Belong With Me” des Jahres.

Sea Girls – Open Your Head

(Quelle: Warner Music)

Glatter und tanzbarer als Biffy Clyro kommen diese Indie-Electro-Rocker daher. Sea Girls mixen tanzbare Sounds, Gitarrenriffs und Snow-Patrol-ähnliche Hooklines zu einem modernen Indie-Cocktail. Vor dem einen oder anderen “Ohooo” müssten selbst Coldplay den Hut ziehen (aber bei deren Abwärtstrend ist das eigentlich nicht mal ein richtiges Kompliment). Wenn man die Band flink googelt, fällt einem glatt die Kinnlade auf dem Schreibtisch: “Open Your Head” ist ein Debütalbum, welches vier EPs folgt.

Sollten Sie Foals, Kasabian, You Me At Six, “I Like It When You Sleep…”, The 1975 und/oder Bombay Bicycle Club mögen, dann sollten Sie hier definitiv reinhören (Anspieltipp: “Do You Wanna Know”). Unterlegen Sie doch Ihren nächsten sommerlichen Trip mit dem Auto mit dieser Platte. Für mich definitiv die große Überraschung in dieser Woche!

Eloy de Jong – Auf das Leben – fertig – los

(Quelle: Warner Music)

Na, der Eloy strahlt einen aber an! Mit “Auf das Leben – fertig – los” legt der Neunziger-Teenieschwarm von Caught in the Act sein zweites Schlageralbum vor. Das ist nach einigen TV-Auftritten bei “Promi Big Brother”, dem Dschungelcamp oder “Fort Boyard” natürlich auf den deutschen Schlagermarkt zugeschnitten.

Jetzt tritt er in dieser Release-Woche gegen Beatrice Egli an. Zwar wirft sie ihre besten Songs in den Ring, doch selbst mit ihren sechs neuen Tracks, die man auf “Bunt” hört, schlägt sie ihren ehemaligen Moderationskameraden von “Ich find Schlager toll” schnell k.o.: Irgendwie klingen die Songs dann doch zu sehr nach den Hörgewohnheiten von “Fernsehgarten”- und “Immer wieder sonntags”-Fans gerichtet. Was man Eloy aber zu Gute halten muss – und das war schon bei “Promi Big Brother” so – ist, dass seine gute Laune einfach sympathisch wirkt. Die flotten Nummern gehen auch besser rein, als die etwas zu kitschige Ballade “In den Sternen”. Eloy de Jong verarbeitet damit den Tod seines Ex-Freundes und seines Sohnes.

Rumer – Nashville Tears

(Quelle: Oktober Promotion)

  • Arena-Rocker Biffy Clyro: ”Wichtig, was Positives an der Situation zu finden”
  • Kunterbunte Fragerunde: Sehen Sie schnell rot, Beatrice Egli?
  • Deep-Purple-Sänger Ian Gillan: ”Wir rücken dem Abgrund entgegen”
  • Schon gehört?: Der Soundtrack der Woche (7. August 2020)

Musik für laue Sommernächte: Folk-Wunderkind Rumer meldet sich zurück. Auf “Nashville Tears” zollt sie Hugh Prestwood Tribut. Das klingt intim und teilweise auch etwas drückend, hat aber seinen Reiz. Nummern wie die erste Single “Bristlecone Pine” oder das etwas flottere “Deep Summer in the Deep South” kommen gut rüber. Man muss allerdings auch sagen, dass eine Stunde Spielzeit bei dieser stilistischen Ausrichtung nicht ideal ist. Stellenweise plätschern die Songs an einem vorbei. Und das ist bei der schönen Stimme der Britin schon schade.

Alle Alben sind am 14. August in digitaler sowie physischer Form erschienen. Haben Sie “Schon gehört”, wer nächste Woche dabei sein wird? Unter anderem das recht poppige neue Album von The Killers und Club-taugliche Tracks der werdenden Mutter Katy Perry. Wir hören uns wieder!

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