Schluss mit der Babybauch-Debatte!

Helene Fischer äußert sich nicht zu ihrer Schwangerschaft. Reines Kalkül sagen die einen, undankbar ihren Fans gegenüber die anderen. Jeder hat eine Meinung zu diesem Thema. Die der Musikerin wird dabei jedoch gern ignoriert.

Frei nach William Shakespeare lautet eines der größten Interessen in der boulevardesken Berichterstattung: Schwanger oder nicht schwanger, das ist hier die Frage. Seit jeher lechzen die Massen und Medien nach Prominenten in anderen Umständen. Selbst, wenn es anfangs nur Spekulationen sind, reichen Verdachtsmomente aus für plumpe Fragen wie: Verbirgt sie unter ihrem weiten Pullover etwa ein süßes Geheimnis? Oder: Trägt sie unter ihrem Herzen etwa ein süßes Geheimnis? Oder aber auch: Sie strahlt so und ihre Haut ist so rosig: ob das etwa an ihrem süßen Geheimnis liegt? Für viele Menschen scheint das Lüften eines süßen Geheimnisses das Nonplusultra zu sein.

Die Gazetten sind voll von „süßen Geheimnissen“. Ein freudiger Umstand, den auch Schlagerstar Helene Fischer lange versuchte, für sich zu behalten. Dass es ihr nicht gelang, liegt nicht daran, dass sie ihre Babykugel irgendwann nicht mehr kaschieren konnte, sondern, weil sie, wie sie kürzlich in einem „Zeit“-Interview offenbarte, von jemandem aus ihrem engsten Kreis „verraten“ worden sei.

Peinlich, undankbar und unangebracht?

Es gibt aber auch Stimmen, die in Fischers Schweigen rund um ihren baldigen Nachwuchs geschicktes Werbe-Kalkül orakeln, um lediglich ihr neues Album zu promoten. Andere wiederum lassen sich zu wertenden, fast maßregelnden Kommentaren herab und verurteilen das Versteckspiel des Schlagerstars. Peinlich sei das. Undankbar. Unangebracht.

Dazu gibt es Ratschläge wie eine schwangere Frau, die – und man wird nicht müde das immer wieder zu betonen – in der Öffentlichkeit stehe, sich zu verhalten habe. Fischer solle gefälligst nicht so ein Gewese machen und aufhören von ihrer immer größeren Babykugel abzulenken. Vor allem von Frauen, selbst Mütter, schwappt Fischer dieser Tage Unverständnis entgegen. Eine Journalistin schrieb anmaßend, sie könne Fischers Verhalten nicht im Geringsten nachvollziehen, frei nach dem Motto: Es könne ja wohl nicht angehen, dass die Musikerin auf gezielte Fragen zu ihrem privaten Glück so ausweichend antworte.

So interpretiert der Boulevard in das Schweigen der Künstlerin sogar hinein, sie würde ihre Schwangerschaft „nicht einfach wie jede andere Frau auch genießen“ und sei Fans gegenüber unfair. Zudem wäre sie ohne die Presse nicht da, wo sie heute karrieretechnisch stünde. Das ist, man kann es nicht anders sagen, in höchstem Maße arrogant, wie es auch spekulativ und aufstachelnd ist.

Jede Frau, berühmt oder nicht, hat das Recht, genau das zu tun, womit sie sich am wohlsten fühlt. Und wenn Fischer sich über ihre Schwangerschaft partout nicht äußern möchte, spielt es nicht im Geringsten eine Rolle, ob sie dies nun aus Kalkül oder zum Schutz ihrer Privatsphäre und ihres ungeborenen Kindes macht. Es bleibt im Kern das Gleiche: Es geht niemanden etwas an.

Und es ist legitim wie verständlich, dass einige Prominente lieber schweigen und genau überlegen, was sie mit der Öffentlichkeit teilen, erst recht, wenn sie auf Schritt und Tritt von Paparazzi verfolgt werden. Wenn sie beispielsweise wie kürzlich die Sängerin Lena Meyer-Landrut nicht einmal in Ruhe mit dem Nachwuchs zum Kinderarzt gehen können, ohne sich sicher zu sein, dass nicht in die Babyschale hinein fotografiert wird. Und vielleicht möchte Helene Fischer auch einfach nur, dass man über ihre Musik spricht und nicht darüber, ob sie einen Jungen oder ein Mädchen zur Welt bringen wird. Nicht die Presse, nicht die Fans – sie selbst entscheidet, wann und ob sie überhaupt über ihr privates Glück mit der Öffentlichkeit spricht.

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