Michael Patrick Kelly: "Ich brauchte einen Neustart"

  • Michael Patrick Kelly ist zurück mit seinem neuen Album „B.O.A.T.S“.
  • Im Interview spricht der Musiker darüber, welcher Song ihm besonders am Herzen liegt, warum ihn seine Zeit im Kloster besonders geprägt hat und was er heute bereut.

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Vier Jahre mussten sich die Fans von Michael Patrick Kelly gedulden – jetzt ist es so weit: Am 12. November erscheint sein fünftes Studioalbum „B.O.A.T.S“. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verrät der Songwriter, was es mit dem Albumtitel auf sich hat, welcher Song ihm besonders am Herzen liegt und wie es zum Duett mit seiner „Sing meinen Song“-Kollegin Ilse DeLange kam.

Darüber hinaus spricht Kelly über seine Zeit im Kloster, die seine Leidenschaft für die Musik neu entfachte. Außerdem gibt der Weltenbummler eine Reiseempfehlung und schwärmt von seinem musikalischen Idol Bruce Springsteen.

Herzlichen Glückwunsch zum Release Ihres fünften Studioalbums „B.O.A.T.S“. Was unterscheidet das Album von Ihren bisherigen Platten?

Michael Patrick Kelly: Es ist definitiv das Album, für das ich mir die meiste Zeit genommen habe, um Songs zu schreiben. Insgesamt habe ich 60 Nummern komponiert und 15 davon sind auf diesem Album gelandet. Mein letztes Album liegt jetzt schon vier Jahre zurück. Das ist im schnelllebigen Musik-Business eine gefühlte Ewigkeit. Aber ein guter Wein braucht Zeit, und in diesem Sinne habe ich die Songs länger reifen lassen als bei vorherigen Alben.

„Alle Songs basieren auf wahren Geschichten“

„B.O.A.T.S“ steht für „Based On A True Story“. Sie versprechen hinter jedem Song eine wahre Geschichte. Hat es Sie Überwindung gekostet, diese Geschichten zu erzählen?

Ich teile sehr wenig von meinem Privatleben mit der Öffentlichkeit, aber das Schöne an Musik ist, dass man über die Sprache der Kunst seine tiefsten Gefühlslagen mit fremden Menschen teilen kann, als wären es die engsten Freunde. Alle Songs basieren auf wahren Geschichten, die ich entweder selbst erlebt habe, oder von anderen Menschen, deren Geschichten mich inspiriert haben. Man sagt, dass ein guter Song aus drei Akkorden und der Wahrheit besteht. Und ja, es hat bei manchen Songs Überwindung gekostet, die ungeschminkte Wahrheit zu schreiben und das dann noch im Tonstudio einzusingen.

Michael Patrick Kelly singt über Rassismus, Religion und Sklaverei

Welcher Song, beziehungsweise welche Geschichte liegt Ihnen besonders am Herzen?

Jedes Lied ist für mich wie eine Perle an einer wertvollen Kette. In „Mother’s Day“ geht es darum, dass ich als fünfjähriger Junge auf dem Friedhof, auf dem meine Mutter begraben lag, alle Blumensträuße von den Nachbargräbern geklaut habe, um sie ans Grab meiner Mutter zu legen. Es war Muttertag, wir waren arm und hatten kein Geld für teure Blumen aus dem Geschäft. Fast 40 Jahre später bin ich mit einem Pickup-Truck voller Blumen zu dem Friedhof gefahren, und habe sie auf den Nachbargräbern verteilt. Das ist für mich eine bewegende Erinnerung. Der Song ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen.

In Ihrem neuen Song „Fake Messiah“ schneiden Sie Themen wie Rassismus und Sklaverei an. Fehlt es 2021 Ihrer Meinung nach immer noch an Aufklärung?

In „Fake Messiah“ geht es um den Missbrauch religiösen Glaubens zur Rechtfertigung politischer Gräueltaten. Ich habe zwei Beispiele in der Geschichte gewählt: die gewaltvolle Umerziehung der Native Americans durch staatliche und kirchliche Programme in Nordamerika und Kanada und die Apartheid in Südafrika. Es gibt immer noch Menschen, die unter den Konsequenzen dieser Art von Pervertierung und Ideologie leiden, daher sind die Probleme nicht endgültig gelöst. Auch wenn sie es nicht mehr unter die Top News schaffen und nur wenige darüber reden. Ich glaube, Aufklärung allein reicht nicht aus, es geht immer auch um Herzensbildung.

„Ich brauchte einen Neustart“

Ihre Musik ist nicht nur in Deutschland beliebt. Unter Ihren YouTube-Videos kommentieren Menschen aus der ganzen Welt. Wie wichtig ist eine internationale Fangemeinschaft?

Ich freue mich natürlich, dass meine Musik Menschen aus verschiedenen Ecken der Welt erreicht. Auch aus Ländern, in denen kein Englisch gesprochen wird. Da erkennt man die Kraft der Musik als universelle Sprache. Von den spanischen Fans kriege ich meistens einen Serrano Schinken geschenkt. Die polnischen Fans sind sehr treu und dankbar. In Grönland war ich einmal nach einem Konzert zu Tränen gerührt; ich hatte als letzte Zugabe „Amazing Grace“ gesungen. Nachdem ich den letzten Ton gesungen hatte, standen alle spontan auf und haben in ihrer eigenen Sprache das Lied weiter gesungen. Ich liebe aber auch die Konzerte hier. Bei bestimmten Songs gibt es oft ein kleines Fahnenmeer, wenn die Leute ihre Landesflaggen hochhalten. Das ist das Schöne an Musik, dass Menschen zusammen tanzen, singen, feiern oder weinen können, unabhängig von Nationalität, politischer Ausrichtung oder Glaube. Man ist einfach ein Mensch unter Menschen.

Sie sind ein wahrer Weltenbummler und holen sich viel Inspiration beim Reisen. Haben Sie den schönsten Ort der Welt schon gefunden?

Ich habe für dieses Album tatsächlich eine halbe Weltreise unternommen. Ich war in Afrika, USA, Grönland, auf den Färöer Inseln, in Italien, Spanien und Irland. Wegen Corona konnte ich manche anderen Orte nicht besuchen. Irland ist definitiv mein Lieblingsland, mein Heimatland. Dort fühle ich mich am meisten „zu Hause“ und ich kann jedem, der noch nie da war, eine Irlandreise empfehlen.

Anfang der 2000er zogen Sie sich aus dem Showgeschäft zurück und gingen einige Jahre ins Kloster. Wie prägt Sie diese Zeit bis heute?

Ich war vor der Klosterzeit wie ein alter Laptop mit zu vielen Viren und Bugs und brauchte einen Neustart. Die Zeit in einer komplett anderen Welt, ohne Gitarre, Kreditkarte, Auto, Freunde oder Familie war in dem Moment rettend und wertvoll. Vor der Klosterzeit hatte ich meine Leidenschaft für Musik fast komplett verloren. Erst als ich im Kloster völlig zweckfrei Musik machen durfte, habe ich die Liebe zur Musik wiedergefunden. Bis heute sind das tägliche Gebet und die Bibelmeditation feste Bestandteile meines Alltags. Und ich weiß, wie wichtig die Stille für mich ist.

Das denkt Kelly über Johannes Oerding als „Sing meinen Song“-Nachfolger

Durch Shows wie „Sing meinen Song“ und „The Voice of Germany“ wurden Sie regelrecht zu einem TV-Liebling. Können sich Fans eventuell auf ein baldiges Comeback freuen?

Alles zu seiner Zeit. (lächelt)

Zweimal waren Sie Gastgeber von „Sing meinen Song“. Halten Sie Johannes Oerding für einen würdigen Nachfolger?

Johannes ist ein tierisch guter Sänger und Musiker, ich mag ihn auch menschlich sehr. Er ist ein eloquenter Gastgeber, der weiß, wie er den geladenen Künstlern viel Raum gibt. Er macht einen guten Job.

Ihre Kollegin Ilse DeLange unterstützt Sie auf Ihrem neuen Song „The World“. Wie kam es zum Duett?

Ilse ist eine echte Künstlerin, die ich sehr schätze. Ich habe sie ganz spontan per WhatsApp gefragt und ihr dann den Song geschickt. Sie war gerade in Italien und hat den Song dort eingesungen. Ich bin sehr dankbar, dass sie das trotz ihres sehr vollen Kalenders geschafft hat. Unsere Stimmen harmonieren sehr gut miteinander.

Sie machen seit Kindheitstagen Musik. Haben Sie nach so langer Zeit noch so etwas wie musikalische Vorbilder?

Mein erstes Konzerterlebnis war eine viereinhalbstündige Show von Bruce Springsteen im Frankfurter Waldstadion. Ich war damals neun und durfte ihn noch vor seinem Auftritt im Backstage-Bereich treffen. Dieser Tag hat mein Leben verändert. Ich sagte damals zu mir: „Das, was er da macht, das möchte ich auch“. Zehn Jahre später stand ich da mit meinen Geschwistern im gleichen Stadion und durfte auch 50.000 Menschen rocken. Crazy. Bruce Springsteen ist nach wie vor ein Vorbild für mich. Ich kenne keinen besseren Live-Künstler.

Das bereut Michael Patrick Kelly heute

Können Sie zufrieden auf Ihre Karriere zurückblicken oder bereuen Sie manche Ihrer Entscheidungen?

Ich bin größtenteils zufrieden mit meinen Entscheidungen, aber klar, es gibt auch Dinge, die ich im Nachhinein bereue.

Was bereuen Sie?

Dass ich nicht immer meinem inneren Kompass, also meinem Gewissen gefolgt bin. Ich habe mich früher manchmal zu sehr von der Meinung anderer oder von der Angst vor Ablehnung leiten lassen. Ich glaube, es ist wichtig, dass ein Künstler sich nicht von den Erwartungen anderer bestimmen lässt. Sonst bleibt irgendwann nur noch der Entertainer. Für mich gilt der Grundsatz, den mir mein Vater mitgegeben hat: „Keep your spirit free“. Die Freiheit ist wichtig.

Was würden Sie angesichts Ihrer heutigen Erfahrung Ihrem 18-jährigen Ich gerne mit auf den Weg geben?

Entspann dich, Junge!

Was kommt nach „B.O.A.T.S“? Eventuell eine Tour? Oder erlauben Sie sich erstmal eine Pause?

Die Tour zum Album ist in Planung. Das erste Live-Event wird ein Konzert auf der Freilichtbühne Loreley sein, am 25. Juni 2022. Ich werde an dem Abend ganz allein ohne Band Songs spielen, die das Publikum selbst vorab wählen kann, durch Abstimmung auf einer Webseite. Keine großen Showeffekte, nur ich mit Gitarre und Klavier, das Publikum und die Songs ihrer Wahl. Die Tickets für das Konzert kann man nicht im Vorverkauf erwerben, die gibt es nur in der limitierten Box zum Album „B.O.A.T.S“. Für mich ist das ein kleiner Traum. Ed Sheeran kriegt sowas locker hin, ich muss mich dafür schon anstrengen. Eine Challenge, auf die ich mich total freue. © 1&1 Mail & Media/spot on news

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