Johannes Strate: "Mein Lieblingsbackliner nimmt gerade im Baumarkt Reklamationen an"

Die Corona-Pandemie hat die Künstlerbranche seit dem Frühjahr so richtig in der Mangel. Auch die Jungs von „Revolverheld“ haben mit den Auswirkungen zu kämpfen. Im Interview mit dem „Stern“ sagte Frontmann Johannes Strate: „Wir hatten für dieses Jahr eigentlich 50 bis 60 Konzerte geplant. (…) Wir sind seit 18 Jahren jedes Jahr live unterwegs, und das ist jetzt das erste Jahr, in dem wir kein reguläres Konzert spielen.“

Das hat auch Auswirkungen auf das Team, das auf Tour inzwischen 30 bis 40 Leute umfasst. Der Hamburger erklärte: „Wir haben einen ganz festen Kern (…). Das sind alles Soloselbstständige. Und dann haben wir einen Pool an Leuten, bei denen wir die erste Option sind und die auch unsere erste Option sind. (…) Denen geht es sehr unterschiedlich. Einige haben ein Angestelltenverhältnis und sind in Kurzarbeit, andere haben Jobs angenommen.“ Strate konkreter: „Mein Lieblingsbackliner, der meine Gitarren betreut, nimmt gerade im Baumarkt die Reklamationen an. Unser Monitor-Mann hat Pakete ausgetragen. Die haben sich schnell umorientiert und geguckt, wo sie bleiben. Denn die meisten von ihnen sind über 40 und haben Familie und Kinder.“ Auf die Frage, ob sich die Menschen von der Politik ausreichend unterstützt fühlen, antwortete der 40-Jährige: „Es ist gut, dass wir in diesem Land so etwas wie Kurzarbeitergeld haben. (…) Ich habe aber das Gefühl, dass die Soloselbstständigen, gerade in der Veranstaltungsbranche, immer etwas belächelt werden. Deren wird als Rock’n’Roll-Lifestyle verklärt. Das ist natürlich Unsinn. Das sind Leute, die machen das 20, 30 Jahre und das ist deren Broterwerb. (…) Ich habe das Gefühl, dass die Veranstaltungsbranche etwas stiefmütterlich behandelt wird. Wir haben keine eigene Lobby, die mal schnell beim Finanzminister in Berlin am Tisch sitzt.“

Übrigens: „Revolverheld“ spielte im Frühling einige Autokino-Konzerte.

Foto: (c) Sony Music / Benedikt Schnermann

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