Für Chöre wird es eng

Bei Konzerten mit Chormusik wird es lange schwer bleiben, die neuen Regeln des Social Distancing einzuhalten

Fünf Tage vor der Schließung der Konzertsäle in den Niederlanden stand der Gemengd Koor noch gemeinsam auf der Bühne des Amsterdamer Concertgebouw. Vier der Mitwirkenden starben an den Folgen des Corona-Virus, andere mussten auf Intensivstationen behandelt werden. Auch der Dirigent habe schwerwiegende Symptome gezeigt, ebenso die Solisten und Mitwirkende des Orchesters. Ein ähnlicher Fall wurde aus New York bekannt.

Chorgesang scheint es in nächster Zeit schwer zu haben – wegen der Verbreitung des Virus durch die Tröpfchen-Infektion und wahrscheinlich auch durch Aerosole. Es ist zwar unklar, ob sich die Sängerinnen und Sänger in Amsterdam während des Konzerts angesteckt haben und nicht während der Proben, in den Garderoben oder beim anschließenden Beisammensein, wie ein Experte für Strömungsmechanik der Bundeswehr-Uni dem Bayerischen Rundfunk erklärte. Aber auch das ist kaum wirklich beruhigend.

Nicht um jeden Preis

Ekkehard Klemm ist Präsident des Verbandes der deutschen Konzertchöre. Er versteht zwar den Wunsch vieler Musikbegeisterter, bald wieder singen zu können, aber Klemm rät zur Vorsicht: „Kunst um der Kunst Willen, Singen um jeden Preis wird keine Lösung sein“, schrieb er an die Mitglieder seine Organisation, der 543 Laienchöre mit 30 000 Mitgliedern angehören, darunter der Münchener Bachchor, die Gächinger Kantorei, Dresdner Kammerchor und viele Philharmonische Chöre. Sie sind die ambitioniertesten unter den 3,3 Millionen Menschen in Deutschland, die in mehr als 61 000 Chören singen.

„In vielen dieser Chöre singen ältere Leute, denen das gemeinsame Singen derzeit zu riskant ist“, sagt Klemm in Dresden am Telefon. „In allen Chören gibt es Leute, die sagen, man müsse unbedingt bald wieder etwas machen. Andere bitten um Vorsicht.“ Im Moment herrsche Verwirrung durch gegensätzliche Studien und komplizierte behördliche Vorgaben. „Nicht jede Regelung kann in der gegenwärtigen Situation konsistent sein“, sagt Klemm. „Ich kann auch nicht vom Kunstminister erwarten, dass er für jedes Theater und jeden Chor die passende Regelung parat hat.“

Neue Lösungen

Er selbst sucht als Leiter der Dresdner Singakademie, Chefdirigent der Elbland Philharmonie Sachsen und als Hochschullehrer nach pragmatischen Lösungen: „Man kann Bachs Weihnachtsoratorium mit einem klein besetzten Chor in einer ausreichend großen Kirche durchaus unter Beachtung der Abstandsregeln aufführen“, meint er mit Blick auf den kommenden Herbst und Winter.

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