Kritik zu ‘Concrete Cowboy’: Bleib mal im Sattel, Alter!

Mit der Coolness ist das so eine Sache: Als Chefinspektor John “Luther” strahlt Idris Elba in der BBC-Krimi-Serie, die ihn berühmt machte, eine virile Souveränität aus, die man auf jeden Fall cool nennen möchte. Gleichzeitig ist sein Polizist so impulsiv und jähzornig wie es derzeit wohl manche Schwiegermutter ist, wenn sie auf ihren Termin für eine Corona-Impfung warten muss.

In seinem neuen Film “Concrete Cowboy” lässt Elba zwar hin und wieder einen derben Fluch raus, aber seine Figur, der Stadtcowboy Harp, hat seine Affekte doch einigermaßen unter Kontrolle. Muss er auch, denn er bringt jungen Menschen in der Fletcher Street in Philadelphia – einer von Drogenkriminalität bestimmten, üblen Ecke der Stadt – sozialtherapeutisch wertvoll das Reiten bei.

Idris Elba hoch zu Ross in den Straßen von Philadelphia

Statt des eleganten Schritts des Serien-Cops pflegt Idris Elba hier den Schaukelgang des Cowboys. Und wenn Harp Besucher bei sich empfängt, dürfen die staunen, denn ein Pferd namens Chuck steht in seinem Wohnzimmer. Das Tier übernachtet dort auch. Wenn das mal nicht lässig ist, was dann?

Aus seiner alltäglichen Ruhe und Routine wird Harp aber doch gerissen, als sein fünfzehnjähriger Sohn Cole bei ihm auftaucht. Der Junge lebt eigentlich bei seiner Mutter, hat sich aber erneut in der Schule danebenbenommen und wird von ihr nun über den Sommer zum Papa geschickt. Caleb McLaughlin spielt diesen Rabauken, dessen Rabaukentum aber kaum ins Bild gerückt wird. Ein wenig sträubt sich Cole gegen die Arbeit, die ihm sein Vater als Erziehungsmaßnahme aufbürdet, aber unter der Anleitung des im Rollstuhl sitzenden Paris mistet er bald gehorsam die Ställe aus und striegelt korrekt die Pferde.

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Paris wird von Jamil Prattis gespielt, einem echten Straßencowboy aus der echten Fletcher Street. Insgesamt zapft die Fiktion die Wirklichkeit stark an: Ricky Straubs erster langer Spielfilm basiert auf dem Young-Adult-Roman “Ghetto Cowboy” von Greg Neris, der sich von solchen Ghettos wie in Philadelphia inspirieren ließ, in deren Straßen tatsächlich hin und wieder Menschen auf Pferden herumgaloppieren. Fürs Kino haben solche Bilder ihren Reiz, inhaltlich trabt der Film jedoch auf ausgetretenen Pfaden. So muss Cole sich entscheiden, ob er dem anständigen, aber instabilen Weg seines Vaters folgt – ein Bauunternehmen will die alten Ställe abreißen – oder eine gefährliche Karriere als Krimineller einschlägt.

Wenn Cole einen wilden Gaul zähmen soll, spiegelt das den Kampf mit seinem eigenen wilden Ego. Dabei hat man das Gefühl, das Idris Elba, der auch als Straßencowboy und wohlmeinender Daddy eine gute Figur macht und diesen Film mitproduziert hat, die ganze Zeit die Zügel in der Hand hält.

“Concrete Cowboy”,  ab 1. April auf Netflix

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