Dimitris Pavlidis von Fabrika Records über die Herausforderungen eines Plattenlabels in der Corona-Krise

Die Herausforderungen für ein Plattenlabel in Corona-Zeiten

Von Mirjam Wilhelm

Dimitris Pavlidis ist Gründer der Plattenfirma Fabrika Records. Zu dem Label gehören seine eigene Band Selofan (Foto), außerdem She Past Away, Lebanon Hanover, Kaelan Mikla, Isolated Youth und einige mehr. Im Interview spricht Dimitris über die Herausforderungen für ein Indie-Label während der Corona-Krise und wie er seine Künstler in diesen Zeiten unterstützt.

Wie hat die COVID-Pandemie die Arbeit mit den Künstlern beeinflusst?
Wir arbeiten mit unseren Künstlern über das Internet, also das hat sich nicht wirklich verändert. Was uns gestresst hat war, dass das Pressen der Platten, unserer neuesten Veröffentlichungen, länger gedauert hat. Aber gute Dinge dauern eben, vor allem während einer Pandemie.

Wie kannst du deinen Künstlern helfen, ihre Musik in diesen schwierigen Zeiten zu verbreiten?
Nichts kann das Live-Erlebnis und die persönliche Verbindung zwischen einer Band und dem Publikum während eines Konzerts ersetzen. Wir müssen aber nun die Vorteile der heutigen Digitalisierung nutzen sowie die Möglichkeiten des Internets und der Musikpresse, die hinter unserer Musik steht.

Vor welchen speziellen Herausforderungen steht ein Indie Label ohne großen Verlag hinter sich?
Es bedeutet einen enormen Zeitaufwand und persönlichen Einsatz bei einem Label, das nur von zwei Personen geleitet wird. Aber in den vergangenen zehn Jahren hat sich ein Netzwerk von Partnern entwickelt. Gleichgesinnte, die wir getroffen haben, die als Promoter arbeiten, Rezensionen in Musik Blogs und Magazinen schreiben und uns dadurch in Promo-Zeiten unterstützen. Das ist nicht zu vergleichen mit einem großen Medienhintergrund, aber es liegt nicht in der Natur unserer Musik, dem kommerziellen Weg zu folgen.

Du bist selbst auch Musiker, hast deine eigene Band Selofan. Wie habt ihr, du und deine Partnerin Joanna, dieses Jahr wahrgenommen, aus der Musiker-Sicht?
Wir haben unser letztes Konzert im März in Prag gespielt und am nächsten Tag haben sie die Grenzen geschlossen. Wir haben es gerade noch geschafft, nach Hause zu kommen. Seitdem waren wir damit beschäftig, unser Album herauszubringen und unseren Synthesizer-Shop “synthesizer.gr” zu führen. Während der nächsten beiden Lockdowns in Athen haben wir Zeit und Muße gefunden, neue Musik entstehen zu lassen. Außerdem haben wir ein paar neue Ideen, aber es ist noch zu früh, darüber zu sprechen.

Partners in Hell

Partners in Hell

Wir verbindet man musikalische Kreativität mit der Organisation eines Labels?
Es ist eine schwierige Kombination, vor allem weil es so viel Arbeit mit dem Shop gibt. Die Zeit, die es braucht um im Studio zu sein, gibt es eigentlich nicht. Eigentlich wundere ich mich selbst darüber, wie ich es geschafft habe, mittlerweile sechs Alben mit Selofan herauszubringen.

Im Oktober habt ihr euer Album “Partners in Hell” herausgebracht. Wie sehr vermisst ihr es, live zu spielen?
Total! Besonders wenn man ein neues Album hat möchte man das unbedingt den Menschen präsentieren, sie tanzen sehen und den Applaus hören. Man möchte mit ihnen sprechen, die persönliche Verbindung ist das Wichtigste, denn sonst fühlt sich das alles eindimensional an. Wir vermissen den Spaß beim Reisen, neue Menschen auf der ganzen Welt kennen zu lernen und natürlich das Zusammensein mit den anderen Mitgliedern der “Fabrika Familie”. Wir freuen uns auf die nächste “Fabrika Label Night”, wenn wir die Bühne mit unseren Freunden teilen. In der Regel sind es drei unserer Bands, die ein Konzert bestreiten, so dass wir unseren Fans eine dreifache Dosis Musik bieten können. Unsere letzte Show vor Corona war eine “Fabrika Label Night”, und wir wünschen uns, dass die erste nach Corona auch eine wird.

Bleibt die “Fabrika Familie” in diesen Zeiten in Kontakt? Unterstützt ihr euch gegenseitig, wenn auch nur mental?
Natürlich, denn wir bezeichnen uns nicht nur als Familie. Wir sind wirklich eine Einheit, und Fabrika hat unsere Leben verändert, auch ganz persönlich. Wir sind zusammen gewachsen, als Musiker und als Menschen, wir spielen gegenseitig auf unseren Alben, die Kinder sind die Kinder aller. Einige der Musiker sind mittlerweile nach Athen gezogen, so dass wir uns immer sehen können. Und das ist die wahre Bedeutung eines Indie-Labels: Die musikalische und menschliche Verbindung zwischen den Künstlern.

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