Der erste Roman von Lisa Eckhart

Essay, Geschichten und Sprachspielerei: Lisa Eckharts erster Roman „Omama“

Lisa Eckhart muss ihren Kritikern dankbar sein. So viel Erregung vor Erscheinen eines Buches bekommt schon lange kein Literat mehr geschenkt. Als maliziöse Kunstfigur Lisa Eckhart, die ihre sprachakrobatischen Boshaftigkeiten mit diabolischer Freude und dialektischem Scharfsinn verteilt, ist sie in den letzten Jahren unaufhaltsam in die Phalanx der bekanntesten Kabarettisten aufgestiegen. Ein Hamburger Literaturfestival aber lud sie vor zwei Wochen aus, weil die Sicherheit für einen Auftritt angeblich nicht gewährleistet war. Grund: Angst vor nicht existierenden Drohungen aus der linken Szene, die Lisa Eckhart Antisemitismus und Rassismus vorwirft.

Diese Kritik hat ungefähr die intellektuelle Durchschlagskraft eines Herrenwitzes des gerade verblichenen Fips Asmussen. Man könnte solche Einwände getrost beiseitelegen, wenn nicht etwas viel Gefährlicheres dahinter lauern würde: die enger werdende Freiheit der Kunst im Zuge von Vorverurteilung und Political Correctness als letzter (oder einziger) Instanz.

Kabarett mit der sprachlichen Schärfe der Weihnachtsansprache von Frank-Walter Steinmeier hat allerdings gar keinen (Unterhaltungs)wert. Und Lisa Eckhart setzt ihre Boshaftigkeiten auf der Bühne ja gezielt ein, um in ihrem Rollenspiel das Verhältnis einer Gesellschaft zu solchen Themen zu hinterfragen.

Geschichten aus der steirischen Provinz

Nun also erscheint ihr Buch „Omama“, aus dem sie in Hamburg nicht lesen konnte. Um es vorwegzunehmen: Ja, bei bösartigster Auslegung und nur unter Verzicht auf Grundkenntnisse der Erzählperspektive können Kritiker an einer Stelle „Material“ für eine neue Anklage finden. Allerdings müssen sie sich erst einmal so weit durch den Text wühlen. Das werden nicht alle schaffen. 

„Roman“ hat der Zsolnay Verlag verkaufsfördernd auf das Cover gedruckt. Die Verfasserin selbst sieht es realistischer als „einen Bastard aus Essay, Roman und Sprachspielerei“. Das kommt diesem Konglomerat auch deutlich näher.

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