"Denn sie wissen nicht, was passiert": Ein Tiefpunkt folgte dem anderen

Eine KritikvonRobert Penz

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Als zu Beginn der „Jauch-Gottschalk-Schöneberger-Show“ neben Pullunder-Monster Olaf Schubert nicht wie groß angekündigt Amira, sondern Oliver Pocher antanzte, war der Furor in den sozialen Medien groß. Dass RTL jetzt auf Anziehspielchen statt wie einst in schlüpfrigen Formaten wie „Männermagazin ‚M'“ oder „Tutti Frutti“ auf Ausziehspielchen setzt, war hingegen der Skandal am Sonntagabend. Aber noch immer nicht der Tiefpunkt.

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Alles begann mit einem Blick in den Rückspiegel. „Denn sie wissen nicht, was passiert“-Sendungsablauf-Superchecker Thorsten Schorn offenbarte Deutschlands drei großen Moderatoren Statistisches.

Barbara Schöneberger schien fast ein wenig überrascht, als sie erfuhr, dass sie mit insgesamt 18 gewonnen Shows im Sieger-Ranking deutlich vor Kollegen Thomas Gottschalk (10) und Günther Jauch (9) liegen würde. Ersterer meinte natürlich, er und Jauch, der an diesem Abend „Denn sie wissen nicht, was passiert“ moderieren durfte, würden sie regelmäßig gewinnen lassen. Klar, den musste er bringen.

Pocher mit Perücke und Schubert-Pullunder

Die nächste Überraschung: Amira Pochers Optik, so schien es, unterlag zuletzt einem massiven Wandel. Denn als sie und Comedian Olaf Schubert die Tribüne runtergelaufen kamen, um gegen Schöneberger und Gottschalk in den Ring zu steigen, war die in Österreich geborene Moderatorin kaum wiederzuerkennen.

Einige Zuseher ahnten bald, dass hier etwas nicht stimmte, doch wahrhaben? Wahrhaben wollten sie es zuerst nicht. „Ätzend! Schon wieder dieser unerträgliche Pocher“ und „Mit Pocher? Ohne mich!“ meinten etwa zwei Twitter-User, nachdem sie vollends realisiert hatten, dass da eben nicht Amira, sondern Oliver Pocher mit schwarzer Langhaar-Perücke angetanzt war.

„Eigentlich wäre ja wirklich Amira dagewesen heute, aber sie hat’s leider krankheitsmäßig zerrissen. Ich war ja schon für Giovanni letztes Jahr da, jetzt bin ich eben für Amira da. Ich bin für jeden da“, erklärte Pocher, der sich solidarisch zeigte und ebenso im „Olaf Schubert’schen“-Pullunder auftauchte.

„Sag doch auch mal was, Olaf!“, stupste Pocher seinen Spielgefährten Schubert nach seinem kurzen Monolog an. Mit einem satten „Guten Abend!“ holte der Dresdner Witzbold auch gleich relativ weit aus. Tatsächlich wirkte Schubert aber zunächst ein wenig schüchtern.

Nach 15 Minuten: das erste „Das ist so lustig“

Es ging überaus gewöhnlich los. Im ersten Spiel des zweiten Teils der im Grunde lediglich von Thorsten Schorn so genannten „Denn sie wissen nicht, was passiert“-Winterspiele musste sich jeweils einer der Teams so schnell wie möglich gefrorene Klamotten anziehen. „Das ist so lustig“, meinte Schöneberger nach einer knappen Viertelstunde, was für ihre Verhältnisse reichlich spät war, zum ersten Mal an diesem Abend.

Auch das Spiel „Menschen-Curling“ indem die Kandidaten auf einem rollenden Ring knieend so nah wie möglich an einen bestimmten Zielpunkt ran mussten, war von kurzweilig weit entfernt. „Tolles Spiel, nur ein wenig zu langatmig“, kommentierte ein vermeintlich Unschlüssiger auf Twitter das Geschehen, ehe Schöneberger und Gottschalk punktemäßig ausgleichen konnten.

Gottschalk gibt den MC Hammer

Etwas vergnüglicher, wenngleich nicht echt vergnüglich, wurde es im Wettbewerb „Das Auge hört mit“. Darin musste einer des Teams vorsingen und der andere trotz „Hör nix“-Kopfhörer den Song anhand von Lippenbewegungen und Körperverrenkungen des trällernden Komplizen erkennen.

„Schatzi, schenk mir ein Foto“, posaunte Schöneberger, kurz nachdem Gottschalk den unsäglichen „Mickie Krause“-Track intonierte, korrekterweise heraus. Dass der „Wetten, dass..?“-Moderator danach einfach nur 20 Mal den Refrain der „MC Hammer“-Weise „Can’t touch this“ vor sich hin brabbelte und seinen 192-Zentimeter-Korpus hölzern pendeln ließ, ließ Schöneberger ratlos dastehen.

Olaf Schubert ging es übrigens ähnlich, als Pocher wiederholt „I’m a Barbie Girl“ stammelte, dazu wiederholt den gelben Pullunder lüftete und dabei stets dieser fleischfarbener Feuerwehrhelm zum Vorschein kam. Das illustre Vorsingen ging an Schöneberger und Gottschalk.

Absoluter Tiefpunkt des Abends

Nach seinem „Guten Abend“ zu Beginn sprach Olaf Schubert am Sonntagabend eigentlich nicht mehr allzu viel. Vielleicht lag es aber gar nicht an Scheu oder fehlender Chemie, sondern einfach nur an der Spucke, die ihm ob der wirklich üblen Wettkämpfe wohl dauernd wegblieb.

Eindeutig der Tiefpunkt diesbezüglich: Das Spiel „Scheibensprecher“. Ein Kandidat musste, während er sein Gesicht direkt an eine rund „50 x 50“-Zentimeter große Glasschreibe zu pressen hatte, dem Spielgefährten einen Begriff kommunizieren. Die Sendungsmacher gingen wohl davon aus, dass dies durch eine Scheibe nur unverständlich vonstatten gehen könne, und die auf der anderen Seite der Scheibe Ratenden die Begriffe erneut primär nur anhand der Lippen erkennen würden.

Dass man seine Birne aber auch nur einfach ein bisschen gegen die Scheibe pressen und den Begriff mehr oder wenig ganz normal dem Spielpartner zurufen kann, war in der Redaktion wohl nie Teil der Überlegungen. „Feuerzangenbowle“ stieß ein Gottschalk mit pro forma an die Glasscheibe gepresster Visage in Richtung Schöneberger gut vernehmbar aus. „Ich hab Flaschenöffner verstanden“, scherzte Pocher, der gar nicht glauben konnte, was er da gleich spielen musste.

Die nächste Farce kommt bestimmt

Jetzt konnte es eigentlich nur weniger schlecht werden. „Wir spielen eine Fassung der Schneeballschlacht, die Sie noch nie erlebt haben“, kündigte Thorsten das nächste Spiel an. Als es im ersten Teil des Spiels „Schneeballschlacht“ darum ging, eine Eishockeyausrüstung so schnell wie möglich anzuziehen, musste man dem „Denn sie wissen nicht, was passiert“-Faktotum recht geben.

Derartiges hatte man tatsächlich noch nicht oft erlebt. Was bei Sportsendungen oder Formaten wie „Schlag den Star“ (ProSieben) natürlich in einer Werbepause über die Bühne geht, inszeniert RTL beinhart als eigenes Spiel (In Formaten wie „Männermagazin ‚M'“ oder „Tutti Frutti“ setzte der Sender einst wenigstens auf Ausziehspiele).

Auch Gottschalk schien ob dieser Farce muffelig zu werden: „Muss das sein?“, fragte er Schöneberger, als diese ihre Jacke ablegte. Im zweiten Teil dieser Posse galt es dann, Schneebälle im gegnerischen Tor, das immerhin gehütet werden durfte, unterzubringen. Das Gros der Zuseher wollte Barbara Schöneberger jetzt einfach nur mehr dabei zusehen, wie sie sich irgendwas hinter die Kiemen schiebt.

Gottschalk regungslos am Boden

Vor dem Finalspiel galt es in der Konkurrenz „Schneeflocken-Bungee“ noch einmal, zehn Kissen unter dem Körper des Spielgefährten unterzubringen, die dieser mit seinem Gewicht quasi festhalten musste, da die Kissen an einem Gummiband hingen und bei jeder Gelegenheit unten wegschnalzten. Gottschalk lag nach wenigen Minuten bäuchlings auf bereits zahlreichen Kissen, die die vor lauter Lachen kaum mehr funktionierende Schöneberger in einer Tour anschleppte.

„Keine Rücksicht!“, so Gottschalk, als die 48-Jährige einen Polster direkt unter seiner Körpermitte platzieren wollte. „Steck mir ein Kissen in den Mund!“, befahl ihr nun der am Boden liegende Blonde, der ob mehrerer Kissen unter seinem Kopf kurze Zeit später gar nicht mehr sprechen konnte – für Gottschalk die größte Herausforderung des Abends.

Nach knapp sechs Minuten lag der 72-Jährige regungslos auf allen zehn Kissen. „Ist ein Arzt da?“, wollte Pocher angesichts des Halbtoten wissen. „Olaf, Tempo ist nicht so dein Ding, oder?“, bemerkte dieser später, als er selbst am Boden lag und Kollege Schubert nur sporadisch mit einem Kissen vorbeischaute.

Schöneberger und Gottschalk stürzen ab

4:4 stand es vor dem traditionellen Finalspiel „Die Wand“, aus der Gottschalk um exakt 00:23 Uhr als erster den Abgang machte. Barbara Schöneberger tag es ihm nur wenige Minuten später gleich.

Sowohl Schubert als auch Pocher hingen in dieser Zeit noch in der Wand. „Das hatten wir schon lange nicht mehr“, konstatierte Jauch am Ende eines langen und langweiligen Abends, an dem auch die Protagonisten nur wenig Spaß hatten.

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