Als Covid-Arzt für Patienten auf Achse

Routiniert greift Michael Baier nach den Utensilien, die zu einer Schutzausrüstung gehören, ebenso routiniert streift er jedes Teil über.

Dann fährt er los.Ein Covidpatient benötigt ärztliche Hilfe, und der 34-Jährige bringt sie. SeitBeginn der Pandemie ist Baier als Covid-Arzt unterwegs, um die Kollegen inden Spitälern zu entlasten. Es ist eine Arbeit, die ihm Freude macht: „Es kommtso viel Dankbarkeit zurück.“ Vor zwei Jahren hat Michael Baier seine medizinischeAusbildung beendet. Der gebürtige Linzer fand nach dem Studium über dieRekrutierungskampagne der Krankenhausbetriebsgesellschaft „Go West“ den Wegnach Vorarlberg. In den Landeskrankenhäusern Bludenz, Rankweil und Feldkirchdurchlief er verschiedenste Stationen. Inzwischen ist der Jungvater inElternteilzeit, seinem Beruf aber nach wie vor treu. Zwei Tage die Wochearbeitet Michael Baier in der Internen Abteilung im LKH Bludenz, übernimmtPraxisvertretungen, engagiert sich in der Notaufnahme und als Notarzt. Als die Pandemie rollte, meldete er sich für eine weitereAufgabe, nämlich jener eines Covid-Arztes.

Wichtiges Bindeglied

In dieser Funktionbildet Baier ein Bindeglied zwischen Hausärzten, Rettungsdienst und Spitalsambulanzen.„In der ersten Welle wusste niemand, was auf uns zukommt“, schildert MichaelBaier. Alle Patienten mit Covid-19-Verdacht wurden sofort ins Krankenhausgebracht. „Oft umsonst“, flicht er ein. Die Folge war eine massive Überlastungder Rettungsdienste. Aus dieser Not heraus entstand die Idee der Covid-Ärzte.„Ziel ist es, Betroffene so lange wie möglich zu Hause zu betreuen“, erläutertMichael Baier. Diesem Anliegen kommt er mit weiteren 10 bis 15 Kolleginnen undKollegen nach. „Es ist eine schöne Tätigkeit. Die Patienten sind sehr dankbar,wenn sie nicht ins Krankenhaus müssen, aber doch jemand da ist, dervorbeischaut“, hat der Arzt inzwischen mehr als einmalerfahren. Ihn macht diese Art der Patientenbetreuung ebenfalls zufrieden, weiler sich ganz und gar auf das konzentrieren kann, was zu tun ist. „Man hat Zeitfür die Menschen.“

Das ist Michael Baierwichtig, obwohl die Einsatztage mitunter lang sein können. In der aktuellenWelle sind zwei Covid-Ärzte teilweise bis zu 24 Stunden im Dienst. Zwischen 30und 35 Ausrückungen stehen täglich an. Gleichzeitig spricht er von einerspannenden Arbeit. „Wir verfügen nur über sehr wenige Geräte, sind alleineunterwegs und müssen uns praktisch um alles selbst kümmern“, sagt Baier. Da istErfahrung ein wertvolles Instrument. Die braucht es auch für die telefonischeErstbeurteilung einer Erkrankungssituation. Die Gesundheitshotline 1450 teiltdie Patienten zu. „Wir rufen sie dann an oder fahren sofort hin, wenn es derZustand erfordert“, schildert Michael Baier die Vorgehensweise. 

Untersuchung vor Ort

Vor Ort wird derBetroffene gründlich untersucht. Der Arzt misst die Vitalfunktionen, nimmt Blutab, hängt bei Bedarf eine Infusion an und verordnet Medikamente. „Rezepteschreiben ist die häufigste Beschäftigung“, merkt Baier mit einem Lächeln an.Oft können trotz bestem Willen nur die dringendsten Visiten erledigt werden.Geht es sich bei anderen Covidpatienten nicht mehr aus, kommen diese zurAbklärung ins Spital. Es gibt aber auch Fälle, in denen Covid-Ärzte nicht mehrtun können, als den Patientensofort in ein Krankenhaus bringen zu lassen. Was Michael Baier dennoch freutist, dass er bei den Menschen viel Vertrauen in das Gesundheitssystem verspürt,und er weiß, dass geimpfte Covid-19-Patienten eine Infektion mit dem Virusbesser überstehen als ungeimpfte.„Die meisten können gut zu Hause betreut und behandelt werden“, bestätigt derMediziner. Er ist überzeugt, dass die Impfung einen Nutzen bringt und dieMenschen ihre Angst davor verlieren. Das ist etwas, das den Arzt zutiefstoptimistisch für die Zukunft stimmt.

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